weinempfehlungen

Wie schmeckt der Ölberg. Eine Weinprobe

Wer ab und zu hier im Blog mitliest, hat mitbekommen, dass wir direkt an der Weinlage ‚Königsbacher Ölberg‘ wohnen. Und zum Glück nicht alleine! Wir haben sehr nette Nachbarn bekommen und fühlen uns hier nicht zuletzt wegen ihnen rundum wohl und seit 2 Jahren daheim. Viele gemeinsame Feste haben wir inzwischen gefeiert und oft mit einem originellen Thema… Dieses Mal hatten wir eingeladen, in die Villa Larsson. Es sollte herausgefunden werden, wie der Ölberg schmeckt. Nein, niemand sollte in die Erde beissen, wir hatten Wein kalt gestellt. Weine. 9.

9 Weine vom Königsbacher Ölberg.

9 Weine vom Königsbacher Ölberg.

Es gab Papierwerk, das ausgefüllt werden musste. Eine kleine Umfrage gleich zu Beginn, die prompt auch zeigte, wie homogen die Gruppe von 11 Personen (ich musste mich selbst ja ausklammern) war:

„Ich trinke Wein ___ nicht oft aber ____ immer öfter.“ Wurde einheitlich mit der 2. Möglichkeit beantwortet.

Die 2. Frage, welche Weine allgemein bevorzugt werden – das konnte entweder eine Traubensorte sein oder auch ein Stil, eine Region- ergab: (Mehrfachnennungen waren erlaubt!)

Weiss: 6x Riesling, 3x Sauvignon Blanc, 3x Weissburgunder, 1x Grauburgunder, 1x Burgunderfamilie, 1x Vermentino, 1x Pinot Grigio/Veneto, 1x überwiegend trockene…

Rot: 3x keine Angabe, 1x Chianti, 1x Brunello, 2x Sangiovese, 2x Nebbiolo, 1x Barbera, 1x Garnacha, 1x Italienisch rot, 2x Cabernet Sauvignon, 1x Südpfalz, 1x Spätburgunder/Merlot (Können wir zusammenfassen, Italien liegt hier vorne?)

Ansonsten galt es, die jeweiligen Weine in Farbe, Nase und Gaumen zu beschreiben. Ein Feld ‚Gesamteindruck‘ war vorgesehen und am Ende dann die Bewertung in Form von Smileys. 1-10 🙂 konnten pro Wein vergeben werden, 10 die Bestnote. Es war frei, mehreren Weinen die gleiche Smiley-Zahl zu geben.

Diese Gruppe bestand nicht aus professionellen Weinverkostern, sondern aus netten Menschen, die einfach gerne Wein trinken und dabei Spaß haben. Und zwar immer öfter. 😉 Ich fand es herrlich, wie man sich mit den Weinen beschäftigt hat. Es wurde hin- und her diskutiert, nach Beschreibungen gesucht, es wurde gestöhnt bis zum ’niemals würde ich Weinverkoster sein wollen!‘ aber auch herzlich viel gelacht. Es war einfach wunderbar! Ich bedanke mich hiermit noch einmal fürs Durchhalten und hoffe, sie werden uns alle wieder besuchen kommen…. Kein Papier und keine Bewertungen beim nächsten Mal. Versprochen.

Zusammenfassend fand ich es beindruckend, was so an Begriffen durch die Luft flog. Es fiel auf, dass bei einigen der Weine ’nicht die Frucht im Vordergrund‘ stand.  Es fielen Begriffe wie Erdigkeit, Würzigkeit und Blumenwiese, mineralisch, Holz…

Die Weine wurden blind ausgeschenkt. Niemand wusste, was jeweils ins Glas floss. Weder die Sorte, noch das Weingut oder den Preis. Die einzig bekannte Komponente war: Ölberg. Es wurden immer jeweils 2-3 Weine gleichzeitig ausgeschenkt, damit man gegeneinander und auch hin und her vergleichen konnte.

Nachdem alle Weine probiert waren, bekam jeder noch einmal Zeit, evtl. Änderungen in den Bewertungen vorzunehmen. Und eine jeweilige Preisschätzung durfte abgegeben werden. Das haben aber nur Wenige getan, daher gehe ich darauf nicht näher ein. Es wurden alle Smileys per Wein genannt, ich habe sie mir aufgeschrieben.

Jetzt war der große Moment gekommen, Wein für Wein wurde bekanntgegeben…:

1 2012 Weinland Königsbach Riesling Kabinett trocken Königsbacher Ölberg 4 €
2 2012 Weinland Königsbach Riesling Kabinett halbtrocken Königsbacher Ölberg 4 €
3 2011 Weinland Königsbach Riesling Spätlese trocken Königsbacher Ölberg 5,30 €
4 2011 Mugler Riesling trocken Ölberg 12 €
5 2011 Christmann Königsbacher Ölberg Riesling trocken 18 €
6 2011 Bassermann & Jordan Ölberg Riesling GG (trocken) 30 €
7 2011 Von Winning Ölberg Riesling trocken 16 €
8 2009 Christmann Königsbacher Ölberg Spätburgunder trocken 30 €
9 2009 Johann F. Ohler Spätburgunder Alte Reben trocken JFO 28 €
(10 2010 Weinland Königsbach Riesling Auslese 7,85€: Nicht mit in der Probe, den gab’s dann anstatt zur Käseplatte)

Dass die Weißen alle Rieslinge waren, war im Großen und Ganzen keine richtig große Überraschung mehr, zu dem Schluss war man irgendwo unterwegs bereits gekommen. Nur vereinzelt lagen noch ein paar leise gesagte, andere Traubensorten in der Luft… Die  Spannbreite der Preise von 4-30 € sorgten für lautes ‚Oho!‘ und ‚Aha!‘. Sehr zufrieden lehnte man sich zurück, als man erkannt hatte, „auch günstigere Weine schmecken gut!“ und „es muss nicht immer viel kosten“.

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Die Rotweine.

Und während der Grill angefeuert und die Salate aufgedeckt wurden, konnten sich alle nun erleichtert über die paar Weinreste hermachen, Nachschub gab es natürlich. Völlig entspannt konnte nun einfach Wein getrunken und genossen werden. In der Zwischenzeit zählte ich die Smileys zusammen…

Das Ergebnis:

74 🙂 gingen an: Christmann Riesling Ölberg
79 🙂 für: Bassermann & Jordan Riesling Ölberg GG
93 🙂 (!) gab es für Von Winning Riesling Ölberg

Hahaha! DAS war jetzt mein Spaß! Ein Wein muss ja nicht teuer sein. Wirklich nicht. Aber schmecken kann er trotzdem. Auch wenn er etwas teurer ist.

Alle fanden das Resultat erstaunlich, weil wohl niemand während der Probe bewusst damit gerechnet hatte, dass a) überhaupt Weine über der 10,12 € Grenze dabei sind und b) dass nun doch die ‚gewonnen‘ hatten, die letztendlich auch mehr kosteten. Niemand hatte den ‚Namen bewertet‘.

Nebenbei sei bemerkt, dass die 3 ‚Gewinnerweine‘ laut Angaben spontanvergoren sind. Auch möchte ich hier gerne einmal erwähnen, dass eben diese Weingüter auch mit die ’schönsten Weinberge‘ da draußen haben. Damit meine ich die herrliche Begrünung, die wir uns dieses Frühjahr über anschauen durften. Bei Von Winning z.B. gab es u.a. massenhaft kleine weisse Blüten, den Dolden-Milchstern (was man alles lernt…) zu sehen.

Klee im Weinberg Christmann. Foto © Lars O Larsson

Klee im Weinberg Christmann. Foto © Lars O Larsson

Die Gruppe hat bei jedem dieser Weine das jeweils ‚typ-gerechte‘ erkannt – ohne ja zu wissen, was eigentlich für den Wein/das Weingut gerade typ-gerecht ist – so wurde Christmann z.B. als ’sehr gehaltvoll‘ beschrieben, der B&J ‚fein und elegant‘, der Von Winning hatte ‚etwas sehr Interessantes, Anderes‘.

Die niedrigste Zahl war übrigens 47 :), für die 11er Riesling Spätlese vom Weinland, die leider gewisse Alterungstöne zeigte. Die Roten hatten keine faire Chance, weil hier nur 1 Spätburgunder-Fan dabei war (siehe oben). Der JFO Alte Reben lag 1 🙂 vor dem Christmann.

Der Ölberg hat 28 Hektar, davon gehören 15 zu Weinland Königsbach, der Genossenschaft, die inzwischen mit Ruppertsberg und Meckenheim fusioniert hat. Außer den Weingütern aus unserer Probe haben u.a. auch die Weingüter Hammer-Sommer, Klohr, Hick-Estelmann und Härle-Kerth Weinreben hier stehen. Wenn noch jemand fehlt, freue ich mich über eine Nachricht.

Ich konnte keine anderen Traubensorten finden, außer Riesling und Spätburgunder. Kennt jemand eine andere Sorte aus dem Ölberg, freue ich mich über eine Nachricht. Boden und Süd-Ost-Ausrichtung des Weinberges bilden eben gerade für diese Sorten die ideale Basis, so war von den Winzern einheitlich zu hören.

Reden wir nun von ‚Herkunft‘, sollten wir ja im engen Sinne recht gleiche Weine erschmeckt haben, da alle aus einer Lage? Jedoch hat aber am Ende doch die Handschrift des jeweiligen Weinmachers den Ausschlag, den Unterschied, ergeben. Laut Schulbuch ist auch der Winzer teil des ‚Terroirs‘ und das lässt sich an einer solchen Probe ganz klar erkennen…..

© DLR Rheinland-Pfalz

© DLR Rheinland-Pfalz

Ihr lieben, lieben Nachbarn, wir danken euch für einen herrlichen Abend hier am Ölberg mit Ölbergweinen im Glas!

Cheers. Skål. Salute. Prost.

www.wg-koenigsbach-nw.de
www.weingut-mugler.de
www.weingut-ohler.de
www.weingut-christmann.de
www.von-winning.de
www.bassermann-jordan.de

6 replies »

  1. Liebe Heike! Es war ein wunderbarer Abend. Und genauso wunderbar ist Dein Bericht! Muss schmunzeln und grinsen, schwelge in Erinnerungen… Du warst eine tolle Gastgeberin und Sommelière. Die nächste Weinprobe folgt bestimmt (zum Glück gibts hier so viele Weinlagen – die Themen / Mottos gehen uns nie aus!). Deine Nachbarin (die mit dem Rotwein)

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  2. Liebe Heike,
    Ich liege im Boot in der Sonne und denke an die schönen Erlebnisse und dabei an die Weinprobe bei Euch und suchte Deinen Betrag im Web.
    Der Abend war toll, spannend, lehrreich und lustig. Dein Bericht so treffend und spannend gerade so, wie wenn ich mich noch mitten in der Weinprobe befinde, aber leider ohne Wein.
    Danke auch an Lars Ihr wart tolle Gastgeber!
    Für weitere Studien sind wir jederzeit bereit.
    Dein indirekter Nachbar

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