weinallgemein

Rückblick mit Ausblick

Ein Jahr. Viele Weine, Weingüter, Weinfeste, Weinproben liegen hinter uns. Und doch ist das alles nur ein Bruchteil dessen, was hier in der Pfalz zu finden ist… Gut so! Also schreiben wir weiter in 2014.

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© Heike Larsson

Rückblick auf das Blog-Jahr: losgezogen bin ich voller Euphorie mit der Mission, die Weine der Pfalz ihrer Herkunft zuordnen zu lernen. Pah! Gelernt habe ich, in einem Satz ausgedrückt, dass man auch in der Pfalz einfach wissen/lernen/erfahren muss, WER guten Wein macht. Während die besten Lagen gute Voraussetzungen schaffen, sind deshalb lange nicht alle Weine automatisch gut. Und umgekehrt: Warum gibt es so viele richtig gute Weine fernab der ‚besten Lagen‘?

Das Wort ‚Terroir‘ ist wohl das Anti-Wort des Weinjahres 2013 für mich. Ausgelutscht, ausgenutzt und zerstört. Es gibt Weine, die mit dem ‚Terroir‘-Wort vermarktet werden, die jenseits allen ‚Terroirs‘ liegen, egal wie tief man ins Glas hineinschaut und hört. (Was aber jetzt bitte nicht gleichzeitig heißen soll, dass sie deshalb nicht schmecken, das ist eine andere Sache.) Und jetzt gehen wir gar nicht erst auf die Tatsache ein, dass der Begriff als solches so wahnsinnig vielfältig und verdreht und abgefälscht aufgefasst und eingesetzt wird, dass es einem für weniger schwindlig werden kann.

Ein anderer Begriff, der Zwiespälte in mir weckt, ist der der Mineralität. Vor Jahren habe ich bereits mit meinem Sommelierlehrer diskutiert, der mir schon damals sagte, es gibt keine Mineralität, die sich so erschmecken lässt, wie allgemein gerne dargestellt. Gleichzeitig hören wir doch aber viele Winzer genau davon sprechen: wie die Mineralität des Bodens den Geschmack des Weines beeinflusst. Was ja in gewisser Weise stimmt, in gewisser aber eben auch nicht. Ich habe zu dem Thema viele kleine und große Brocken in meinem Hirn herumschwirren, Bücher und Dossiers von richtigen Profis zur Hand, alles muss ich aber erst sortieren. Irgendwann, wenn der Zeitpunkt passt. In der Praxis versuche ich bereits, das Wort Mineralität anders auszudrücken, es also zu vermeiden. Aber es war natürlich ein Wort, das leicht und vielseitig anwendbar ist und daher wird es auch bei mir weiterhin auftauchen, wobei sich die innere Stimme zeitgleich meldet. Vielleicht hilft ja das Fingerkreuzen hinter dem Rücken?

Jaha? Wie soll man denn also eigentlich seinen Wein finden? Sind es die Weinguides? Vielleicht ein Anfang, um überhaupt einige Namen zu entdecken? Dann wieder erschreckt es mich immer, wenn alle ‚ins selbe Horn blasen‘ und daher finde ich nicht, dass man sich nur auf Guides beziehen sollte. Bei einem Restaurantbesitzer z.B. ist mir einmal aufgefallen, dass er die Bewertungen diverser Guides auswendig konnte. Gähn. (Nicht wegen des Guides, sondern wegen der Phantasielosigkeit des Restaurants.) Die Auszeichnungen der Landwirtschaftskammern? Hm… Letzteres ist für mich eher spontan ein Grund, einen Wein nicht zu kaufen. Sorry… Oftmals war mir ein Wein mit ‚Medaille‘ einfach zu süß und zu langweilig. Dann wieder kann ich natürlich niemals behaupten, alle dieser Weine probiert zu haben und sicherlich ist ’schon auch mal einer dabei’…. Empfehlungen von Freunden und Bekannten? Sicherlich hilfreich, wenn man den Geschmack derjenigen kennt und ergo einschätzen kann, wie weit man den Geschmack allgemein teilt.

Wein. Ist. Geschmacksache.

Das ist mein Credo, immer wieder. Also losziehen und einfach probieren und probieren! Wenn mir jemand sagt, das Kirchenstück ist der beste Wein aller Zeiten, bleibe ich dennoch dabei, dass für mich der Pechstein unschlagbar ist. Was wiederum nicht bedeutet, dass mir ein ganz einfacher Literwein nicht auch gigantisch gut schmecken kann. Wie bei Kleidern, Kosmetik, Musik und Liebe ist ja auch alles eine Frage des Augenblicks, der Situation. Und wenn jemand den 3 € Wein vom Winzerverein xy heiss und innig liebt, dann ist das auch gut! Mein persönlicher Geschmack hängt nicht absolut mit dem Preis (will sagen, nicht immer schmeckt der teurere automatisch auch am besten) eines Weines zusammen, sondern eher damit, dass der Wein irgendeine Art von Ausdruck hat. Ist er völlig belanglos und fad, sorry, dann nehme ich lieber das Glas Wasser. Ist tatsächlich so. Am Ende ist es ja Alkohol, den man aufnimmt, und wenn schon, dann soll der bitte schmecken. Irgendwie bin ich jetzt abgeschweift, oder? Probieren wir weiter und teilen wir weiter unsere Erfahrungen. Ich höre wahnsinnig gerne von anderen, was die so trinken. Oft inspiriert es mich, einen Wein auch zu kaufen und manchmal schmeckt er mir auch und manchmal eben nicht. C’est la vie. Was mich gar nicht anmacht, ist ein Wein für 2,99 vom Supermarkt. Und da können noch so viele darüber schreiben, wie gut der ist und blablabla. Für mich ist Wein Genuss und Genuss hat irgendwie mit Qualität zu tun und die wiederum mit Preis. In gewissem Rahmen. Ob das nun gerechtfertigt ist oder nicht, so habe ich eine gefühlte Preisuntergrenze von 8-9 € im Supermarkt (für gewisse – aber nicht alle – Weine, die ich nicht hier kaufen kann) und 5 € im Weingut direkt. In etwa. Und eigentlich bin ich damit bisher immer ganz gut gefahren.

Picknick im Weinberg

Picknick im Weinberg

OK. Ein kurzer Rückblick außerhalb des Blogs steht an. 2013 war für mich persönlich das Jahr des ‚Heim- und Ankommens‘. Haus & Garten fertig, alle Umzugswehen endlich hinter uns, Kinder gut an ihren Schulen etabliert, jetzt konnte ich auch einmal Luft holen und an das denken, was mir solchen Spaß macht: Wein.

Inzwischen hat sich viel getan und ich kann sagen, dass ich mit großer Freude feine Weingüter in ihren Marketingbelangen unterstützen darf, ich halte Weinproben in Zusammenarbeit mit diesen und anderen Weingütern und auch mit unabhängigen Partnern. Eine besonders nette Weinprobe, an die ich mich gerne erinnere, hatten wir im Haus des Weines in Neustadt, wo wir Doktoranden aus der ganzen Welt den Pfälzer Wein in englischer Sprache näher gebracht (sehr nah?) haben. Anfragen für pfalzweinproben, die ich über das Jahr erhalten habe, nehmen zu und es macht einfach nur Spaß! Zeit, sich dafür auch zu bedanken.

Der Jahrgang 2013: nie wurde so schnell geherbstet...

Der Jahrgang 2013: nie wurde so schnell geherbstet…

Auch herbsten war ich dieses Jahr, eine gute Erfahrung. Ich danke meiner Freundin Sabine Ohler-Jost dafür.

Ich habe viele sehr nette Weinmacher der Pfalz kennenlernen dürfen und freue mich sehr darüber. Genauso wie ich mich auf weitere neue Begegnungen freue.

Danken will ich auch für meine jahrelange Kooperation mit dem Weinessiggut Doktorenhof in Venningen, weiterhin eine feste Komponente in meiner Unabhängigkeit. Sehr viele schöne Stunden hat mir daher auch das Thema Essig in 2013 wieder bereitet. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich schon als kleines Mädchen an keiner Essigflasche vorbeigehen konnte, ohne daraus zu trinken? Meine Mutter schimpfte immer und sagte, er würde das Blut zu dünn machen. Haha, wie glücklich war ich, als ich eines Tages vor 20 Jahren den Doktorenhof entdeckte… Und Ihnen/euch läuft gerade das Wasser im Mund zusammen, korrekt?

Weiteren Grund zur Freude ist die Verbindung zu Schweden. Nicht nur privat, alleine durch Familie und Bekannte, hat sich 2013 als gutes Jahr erwiesen, sondern auch beruflich haben sich Dinge ergeben, die so gar nicht geplant waren. Wir werden schauen, was wir hierzu in 2014 vertiefen und ausbauen können. Soweit schaut es gut aus.

Mein Mann hat aus Zufall ein Weinregal gebaut und dabei seine alte Leidenschaft für Holz neu entfacht. Inzwischen hat er ein ganzes Programm an Barrique-Produkten entworfen, die wir in 2014 vermarkten werden. Ich werde berichten. 😉

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Barrique Art by LL © Lars O Larsson

Bloggen ist ein zeitliches Problem, wenn man so viele Feuer im Eisen hat. Hahaha! Eisen im Feuer meinte ich natürlich.  Ich weiss es einfach nicht, wie andere es schaffen, täglich zu posten. Wahrscheinlich Personal, das bei diversen beruflichen und privaten Dingen einspringt? Egal. Danke fürs Vorbeischauen und Lesen. 🙂

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Gott Nytt År!

ICH WÜNSCHE ALLEN EINEN GUTEN RUTSCH!!
und mache mich jetzt fertig für eine Wodka-Party mit russischem Thema…

Herzlichst,
Heike Larsson

Kategorien:weinallgemein

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