weinallgemein

Weegmüller goes La Palma – und wir gehen mit

jedenfalls weingeschmacklich waren wir im Nachhinein dabei. Stefanie Weegmüller-Scherr und Gaby Weegmüller waren auf der Kanareninsel La Palma und haben dort viele gute Weine entdeckt. Einige Flaschen haben sie im Koffer mit in die Pfalz gebracht und die durften wir gestern Abend in total gemütlicher Runde verkosten. Unter den Gästen waren La Palma Anhänger, die auch demnächst dorthin reisen werden. Ich gehöre leider nicht zu der Gruppe, habe aber wahnsinnig Lust auf den Süden bekommen…… Wie auch immer, ich freue mich sehr darüber, eingeladen worden zu sein, denn es macht einfach Spaß, sich mit anderen Weinenthusiasten auszutauschen. Und jedes Mal lernt man irgend etwas dazu.

„La Palma sieht auf der Karte aus wie Klein-Afrika“, sagt Steffi Weegmüller und nicht zuletzt wegen ihrer Liebe zu Südafrika wurde die Insel dieses Jahr zu ihrem Urlaubsziel.

Man nimmt an, dass die ersten Weinstöcke La Palmas in 1505 gepflanzt wurden. Im 16. Jh erfreuten sich die Weine der Insel großer Popularität an europäischen Königshöfen und nicht nur in Shakespeares Werken fanden sie Erwähnung. Enormer Reichtum kam auf die Insel durch den Weinbau, aber mit dem Mehltau-Befall in 1848 erfolgte der große Einbruch. Wiederum blieb La Palma später, als die Reblaus in Europa wütete, verschont und deswegen findet man dort heute alte Rebsorten, die andernorts nicht mehr zu finden sind. Seit 1993 gibt es die La Palma D.O., die rund 800 ha Weinberge umfasst, wovon einige bis zu 1400 m hoch liegen. Die Reben wachsen zum größten Teil auf dem Boden, nicht auf hohen Rebstöcken, wie bei uns. Lange Trockensteinmauern, die Cadenas, geben Schutz vor den Passatwinden.  Die Böden sind vulkanischen Ursprungs. Weitere Infos: vinoslapalma.com

Stefanie hatte eine schöne Präsentation vorbereitet und wusste zu jedem Wein und der zugehörigen Bodega etwas zu berichten. Wir lauschten alle ganz ruhig. (Hahaha, nicht immer.) (Aber immer öfter.) Die Weine kamen richtig gut bei uns an, jeder hat wohl seinen eigenen Favoriten entdeckt.

10 Weine aus La Palma

10 Weine aus La Palma

1. Tamanca Blanco. Eine Weisswein-Cuvée, trocken, leicht, fruchtig, schlicht und einfach, typischer jetzt-bin-ich-im-Süden Sommerwein. Leider hatte er etwas Kork (für mich der Geruch von nassem Karton) (wenn man oft umgezogen ist, erkennt man den …)  – obwohl die Flasche mit Kunststoffkork kam. Hier gingen die Diskussionen also schon los…

Und dazu zitiere ich jetzt Sebastian Holey, der dazu in www.weinbau-oenologie.de sehr fachmännisch schreibt:

Korkgeschmack trotz der Verwendung von Kunststoffkorken oder Schraubverschlüssen? Hauptverantwortlicher für eine TCA-Belastung um Wein ist der Naturkorken. TCA wird vom Korken innerhalb weniger Tage bis Wochen an den Wein abgegeben. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass der Wein eine TCA-Belastung bzw. ein Fehlaroma (“Korkaroma”) aufweist, obwohl die Flasche einen Schraubverschluss oder ähnliches hat. Das liegt ganz einfach daran, dass zum einen mit Chlorhaltigen Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln im Keller oder im Kelterhaus des produzierenden Betriebs, die Böden oder Wände behandelt wurden, während die Weine in den Tanks oder Fässern lagerten. Most oder noch nicht abgefüllter Wein können bereits in Tanks, Fässern etc. Chlorhaltige Stoffe aus der Luft aufnehmen. Zum anderen kommt es daher, dass Filter, Pumpen, Rohre usw. mit Reinigungsmitteln, welche Hypochlorit (alkalischer Stoff) enthalten, gereinigt wurden. Wenn man die Gegenstände, die mit solchen Reinigern behandelt wurden, nicht mit der entsprechenden Säure neutralisiert, wird höchstwahrscheinlich der Wein, der mit diesen Gegenständen in Berührung kommt, einen “Korkton” aufweisen.

(Ab hier sitzen Stefanie & ich gemeinsam vor dem Computer und schreiben zusammen weiter:)

Der 2. Wein: El Nispera, ließ uns schon ganz anders innehalten. Eine Empfehlung, die die Damen im Lokal abends zum Essen bekamen und weil er ihnen so gut schmeckte, brachten sie ihn gleich mit. Schöne Frucht mit grünwürzigen (Ginster…) Nuancen, trocken, dicht und optimal als Begleiter zum Fischgericht. Die meisten Weissweine sind Cuvées, dieser hier ist aber ein reiner Albillo, eine der autochthonen Sorten der Insel.

3. Cueva del Pino Seco aus der Bodega Gonzales. Entdeckt in der Weinbar Maximo in Los Llanos de Aridane, zufällig war der Winzer selbst anwesend. Sauber vinifiziert, fiel er den Damen positiv auf. Gegessen wurde dazu Serrano Schinken und Ziegenkäse.

4. Vega Norte – für uns das Weingut des Abends mit 4 Weinen vertreten, die alle überzeugten. Dieser Wein hier, der Albillo Grillo hat eine umwerfende Nase ähnlich dem Sauvignon Blanc, der Scheurebe oder dem Verdejo. Es ging ein ‚mmmmm‘ durch die Runde… Spannende Säure, die man im allgemeinen (irrtümlicherweise) von solch südländischen Weißen gar nicht wirklich erwartet. Der erste Schluck dieses Weines veranlasste unsere Damen, den Serpentinen zum Trotz, sich auf die Reise zur Bodega zu machen, in der Nähe von Tijarafe gelegen. Ein äusserst netter, deutschsprachiger Empfang durch einen adretten jungen Herrn ließ die Weinherzen höher schlagen. Die Kollektion wurde präsentiert und gefiel, auch die Roten… Zu denen kommen wir später. Ein Besuch des Weingutes ist laut Steffi & Gaby unbedingt empfehlenswert. Hungern muss auch niemand, denn ganz in der Nähe liegt das leckere Lokal Muralla, mit einem traumhaften Inselausblick.

5. Rosé José! Selbes Weingut, anderer Wein, dieses Mal mit herrlichen Himbeer-Erdbeeraromen. Ein Traum zu allem, was Oktopus heisst. Die Farbe war schon sehr intensiv für einen Rosé, was sich durch die farbintensiven Rotweine leicht erklären lässt.

6. El Nispero Tinto. Easy drinking, leicht gekühlt ein schöner Sommerwein, ideal zu Paella oder zum lokalen Kaninchengericht. La Palma anyone?

7. Matias i Torres Tinto 2011, Negramoll. Im Restaurant Franchipani wurde dieser Wein im Glas als Essensbegleiter serviert. Die Nase erinnerte spontan an einen gut gemachten Pinot Noir, mit dunklen roten Beeren und dieser Erdigkeit… Die Neugier war geweckt und die Flasche schnell bestellt. Um dann festzustellen, dass es sich nicht um PN handelte, sondern die autochthone Traube Negramoll. Da der Wein in keinem Laden zu entdecken war, wurde die Flasche eben direkt im Lokal gekauft.

8. Vega Norte. X 2011 Listán Prieto. Und hier teilte sich die Runde. Brett! Brett! die einen, Gut! Gut! die anderen. Stall in der Nase (für mich persönlich ganz oft typisch Spanisch), was sich aber nach einiger Zeit (für die Geduldigen unter uns) in Luft auflöste. Schöne Tannine, die dem Wein eine gute Struktur gaben, dazu die angenehm warmen Fruchtaromen (Lavaböden, hallo!) – einfach gut. Harmonisch!

Polarisierend: Vega Norte X 2011. 5 von uns fanden den besser als 2012.

Polarisierend: Vega Norte X 2011. 5 von uns fanden den besser als 2012.

9. Vega Norte. X 2012 Listán Prieto. Eine Empfehlung des jungen, charmanten Verkäufers der Bodega (siehe Wein Nr. 4). Erstaunlich, für 2012, dieser Wein war für die Weegmüller Ladies viel einschmeichelnder, mit schön eingebundenen Tanninen, Dichte, Eleganz und ohne Rennstall.

Stefanie Weegmüller mit

Stefanie Weegmüller mit Carballo Malvasia Dulce 2011

10. Zum Abschluss etwas Süßes: Aus der Bodega Carballo Malvasia Aromática Dulce 2011. Laut Analyse 80-90 g RZ, aber dennoch 14,5 % abv. Wir rätseln… Er wird als ’natürlich süß’ deklariert und nicht als ’fortified’, also aufgespritet. Wie auch immer: gut gemacht, hat er uns allen geschmeckt. Schöne Bernsteinfarbe mit reifen Aromen von getrockneten Aprikosen, Feigen, Rosinen und Honig. Aber auch wieder eine Säure im Hintergrund, die den Ausgleich schafft. Mehr über die Rebsorte Malvasia hier.

Alle Weine strahlten auffällig brillant, sie waren sehr preisgünstig, der teuerste lag bei den trockenen bei 15 €, der süße kostet 25 €.

Das Resumée des Abends: schöne Weine, viel Spaß, gute Unterhaltung, viel Information. Lust-auf-La Palma? Jap. Mal wieder hat das Thema Wein Menschen in einen Raum zusammengebracht, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären. Und wie immer: Bei Weegmüllers trifft sich die Welt.

Cheers und Herzlichen Dank an Steffi & Gaby!

bodegascarballo.com

vinosveganorte.com

matiasitorres.com

weegmueller.de

4 replies »

  1. Hallo Heike,

    jetzt hab ich richtig Lust auf die Kanaren bekommen. Das war bestimmt ein toller Abend!
    Danke für die Erwähnung und einen schönen Start ins Wochenende!

    Viele Grüße
    Sebastian

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