weingeschichten

Pfalz-Weinjahrgänge. Teil 1

Die ersten 2013er Weine sind seit wenigen Wochen auf dem Markt und wir werden wir wieder viel darüber lesen, wie der Jahrgang ausgefallen ist. So sind wir auf die Frage gekommen, aus welchen letzten Jahrgängen es sich lohnt, Weine zu lagern? Im Internet steht soviel zu lesen und nicht immer ist man sich einig. Es ist schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen, hier ein paar der Info-Quellen.

Die Übersicht der Pfalzweinwerbung:

Weinjahrgänge Pfalz © www.pfalz.de

Weinjahrgänge Pfalz © http://www.pfalz.de

Die Qualität war 2006 mittel und 2000 gering/mittel. 2007 war Spitze. Dazwischen ist alles gut oder sehr gut. Also kein Wunder, dass meistens ohnehin alles ausverkauft ist. Leider gibt uns diese Liste nicht viel Information, was die Reifung und damit Lagerung der Weine betrifft. Und natürlich sind alle groben Übersichten nur bedingt aussagekräftig, da letztendlich der einzelne Wein, das Weingut, die Weinlage und der Geschmack des Weintrinkers wesentliche Faktoren sind, die zu berücksichtigen es gilt. Man wird selbst in einem mittelmäßigen Jahrgang immer einen – für den eigenen Gaumen -außerordentlich guten Wein finden. Manche Weingüter liefern Jahr für Jahr sehr gute Weine, sicherlich nicht immer im Gleichschritt mit den Tabellen. Und umgekehrt. Ja, und da die Tabelle oben auch keine gravierenden Unterschiede anzeigt, wird sie uns nicht wirklich bezüglich eines Weinkaufs beeinflussen. Oder vielleicht doch? Am Ende ist es der Austausch mit dem Winzer, Händler und anderen Weinliebhabern, das Lesen vieler verschiedener Schriften, und letztendlich die selbst gesammelte Erfahrung, die Antworten bringen wird. Aber schauen wir weiter…

Was sagt Captain Cork?

Weinjahrgänge © www.captaincork.com

Weinjahrgänge © http://www.captaincork.com

Hier sieht man 2005 und 2009 als exzellente Jahrgänge in der Pfalz. 2007 und 2012 sind sehr gut. Bei dieser Bewertung geht man auch auf die Lagerfähigkeit ein. Sehr schön. Jetzt muss man nur noch herausfinden, welche Weine sich denn überhaupt zur Lagerung eignen? Und wie lange?

Im DLR Mussbach sind die letzten Jahrgänge mit ihren Abläufen beschrieben. Man kann schön nachlesen, wie die Voraussetzungen waren, die Entwicklung bis zum Jungweinstadium mitlesen. Was danach kommt, erfährt man hier leider nicht mehr. Also, wie haben sich die Weine letztlich entwickelt und auch hier: was lässt sich gut lagern und wie lange. Eine grobe Zusammenfassung folgt hier. Wer selbst und ausführlich nachlesen möchte, der folgt diesem Link hier: Herbstberichte Pfalz.

Herbstberichte Pfalz DLR

Herbstberichte Pfalz DLR

2012 Qualitativ im oberen Drittel der letzten Dekade. Durchweg sehr hohes Qualitätspotenzial mit einer marktkonformen Erntemenge. Dank der langen Reife am Stock wird eine vielversprechende Entwicklung erwartet. Austrieb beim Riesling am 25.4., trotz langem, strengem Winter. Am 17.5. Frostwarnung -2°C, erstmals in Deutschland wurden in 5 Gemarkungen der Pfalz Helikopter zur Frostabwehr eingesetzt. Nach warmen Frühjahrstemperaturen beginnt die Blüte am 8.6. Hagel zwischen Maikammer und Neustadt am 10. und 21.7. schädigen rund 800 ha Rebfläche, davon 200 ha zu über 50%. Warmer August lies Säurewerte rasch abnehmen. Frühe Sorten, Burgunder und Rote wurden ggf. moderat nachgesäuert. Burgunder qualitativ die Gewinner des Jahrgangs, mit starker Sortenausprägung, fülligem Mundgefühl und guter Struktur. Rieslinge sind feinfruchtig und schlank.

2011 „Ende gut alles gut“, sehr zufriedenstellender Jahrgang (abgesehen der Winzer, die von Frost und Hagel betroffen waren). Gerade noch rechtzeitig einsetzender Altweibersommer bescherte die erhofften Qualitäten, trotz starker Frostschäden. Frost bis -23°C am 2. Weihnachtsfeiertag 2010, dennoch war der Austrieb besser als angenommen. Riesling Austrieb am 11.4., 11 Tage vor dem langjährigen Mittel. Am 4.5. Temperaturen bis -4,5°C in Bodennähe einzelner Weinberge. Auf 5000 ha Rebfläche wurden 80-100% der jungen Triebe vernichtet. Ansonsten wieder wärmere Temperaturen als der langjährige Durchschnitt und damit frühe Rebblüte am 25.5. – fast 3 Wochen früher als sonst. Geringer Niederschlag sorgt für Spannung, ab Mitte Juli wendet sich das Blatt noch rechtzeitig mit ausreichendem Regen. Stellenweise trat Essigfäule auf, der Wetterumschwung im September zu trockenem, kühlen und dann sommerlich warmen Wetter verhinderte aber die Ausbreitung. Ein Herbst ohne Hektik, selektive Lese gut möglich und somit gab es am Ende hochreifes und gesundes Lesegut. Ernteschluss rekordfrüh in der 2. Oktoberwoche.

2010 Extrem niedrige Erntemengen bei vielversprechender Qualität. Austrieb 22.4.. Blüte 13.6. während einer kurzen Kälteperiode, was beim Riesling in frühen Lagen zur Verrieselung führte. Hagel am 9.6. beschädigte südlich von Landau ca 2500 ha Rebfläche, davon 1600 ha zu über 70%. Am 10.6. traf es die Grünstadter Region mit 1600 ha (davon 800 ha bis zu 70%)  beschädigten Rebflächen. Im Juli eine Hitzeperiode mit bis zu 39°C. Viel Regen in August und September führen zu Fäulnis bei den frühreifen Sorten, daher frühe Lese ab Mitte September (Portugieser). Später im September an der Mittelhaardt auch beim Riesling Botrytisbefall und damit eine beschleunigte Lese. Hohe Säurewerte wurden teils mit Maischestandzeiten gemindert, wo nötig, wurde noch vor der Gärung entsäuert. Es wurden aber auch Beeren- und Trockenbeerenauslesen geerntet. Frost am 24.10. beendete die Reifeentwicklung. Erntemenge: 1.7 Mio hl anstatt von 2,4 Mio hl , dem langjährigen Durchschnitt.

2009 Spitzenjahrgang mit absolut hervorragenden Qualitäten. Austrieb 14.4., Blüte 1.6. mit Verrieselung aufgrund niedriger Temperaturen und häufiger Niederschläge. Juni und Juli brachten viel Regen, was das Wachstum begünstigte. August und September waren trocken und warm mit viel Sonne, was eine optimale Traubenreife bei erstklassigem Gesundheitszustand ergab. Frühe Entblätterung der Traubenzonenbereiche gilt mittlerweile als Standardmaßnahme und komplettiert die günstigen Voraussetzungen. Die Hauptlese dehnt sich über 5-6 Wochen aus. Bei gewissen Lagen gab es Trockenschäden und starke Abnahmen der Säuregehalte, hier durfte bei einigen frühen Sorten nachgesäuert werden. Der Jahrgang bietet alles von erstklassigen Schoppenweinen bis zu exzellenten Beeren- und Trockenbeerenauslesen.

2008 Jahrgang nach Maß mit guten Qualitäten. Austrieb 27.4., Reichliche Bodenfeuchte, viel Regen in März und April, sowie hohe Temperaturen im Mai führen zur sehr frühen Blüte schon ab 2.6.. Nachteil des schnellen Wachstums: Chlorose, besonders bei Lagen mit hohen Erträgen aus dem Vorjahr. Oidiumbefall wird durch selektive Lese minimiert. Pheromone gegen Heu- und Sauerwurm funktioniert gut und ist nicht mehr wegzudenken. Kühle Temperaturen im Herbst sorgen für einen ruhigen Herbstverlauf aber auch zu hohen Säurewerten. Maischestandzeiten von 4-12 Stunden zur Säurereduzierung um bis zu 3 g/L. Weitere Entsäuerungsmaßnahmen wo nötig. Die Weine werden aber als dennoch ‚weniger spitze Säure als erwartet‘ beschrieben. Vereinzelte Beeren- und Trockenbeerenauslesen unter großem Aufwand.

2007 Traumjahrgang mit hervorragenden Qualitäten und guten Mengen. Austrieb 12.4., April und Mai ungewöhnlich warm. Blüte sehr früh am 23.5. (3 Wochen früher als Durchschnitt). Ergiebige Niederschläge und normale Temperaturen sorgen für optimalen Verlauf. Lokale Hagelschauer ohne große Auswirkungen. Hitzewelle am 14./15.7.  führt teilweise zu Sonnenbrand bei Trauben aus entblätterten Zonen, jedoch trocknen die Trauben ohne Problem zu verursachen rasch ein. Hauptlese über 6 Wochen mit sehr gesundem und reifem Lesegut. Rieslinge mit 85° Oechsle, aber auch 95° und 100° keine Seltenheit. Vielschichtige Weine mit mineralischer Note. Erstklassige Schoppenweine bis zu exzellenten Trockenbeerenauslesen.

2006 Verlangt vollen Einsatz der Winzer. Austrieb 26.4., Blüte 13.6. und alles normal. 15.6. starker Hagelschlag beschädigt 1000 ha im Kernbereich der Mittelhaardt und teilweise an der Südlichen Weinstraße (vereinzelt bis zu 95% Schaden). Juli Hitzewelle über mehrere Wochen. Dann Rekordniederschläge im August. Wiederholte starke Regengüsse führen schließlich zu Botrytisbefall, der sich rasend ausbreitet, auch Essigfäule ist dabei. Insgesamt ergibt der Jahrgang mit 2,1 Mio hl eine geringere Menge. Die meisten Trauben lagen im Kabinettbereich, es gab aber auch Mostgewichte bis 92 und 100° Oechsle, aber dagegen steht ein enormer Aufwand, wie frühzeitige Entblätterung, mäßiger Stickstoffeintrag, intensiver Pflanzenschutz, etc.

So. Wer jetzt gerne reifere Weine trinkt, sucht sich nun welchen Jahrgang aus?

Mal sehen, was uns Matthias Mangold dazu sagt, der schreibt nämlich in Teil 2…

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