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Frank John Vertikale 11 Jahre – 11 Rieslinge 2003-2013

Die Hefe ist die Mutter des Weines. Der Wein ist das Kind der Hefe. Man trennt das Kind so spät wie möglich von der Mutter.“ Frank John

Frank John Vertikale 11 Jahre Riesling

Frank John Vertikale 11 Jahre Riesling

11 Rieslinge aus 11 Jahrgängen von 2013-2003 und massenhaft Eindrücke. Was für ein Abend! Wir sind aus dem Staunen nicht herausgekommen. Wir 4 Weinfreunde hatten uns schon sehr auf diese von Frank John selbst besprochene Vertikale gefreut und wurden mehr als überrascht… Uns wurde ein Erlebnis beschert, an das man noch sehr lange gerne zurückdenken wird. Vorausschickend sei gesagt, dass wir nicht zu den Jungweinfreaks zählen, sondern durchaus gerne auch mal etwas Reiferes im Glas haben. So rechneten wir natürlich damit, auch an diesem Abend ein paar Weine mit Reifetönen zu entdecken.  Ich glaube, jeder von uns wartete insgeheim von Wein zu Wein auf den nächsten, ab dem man nun die ersten Spuren dahingehend finden würde. Die Probe ging bei 2013 los und wir waren bei 2004 (!) angekommen, als wir in der Nase etwas erkannten, was gaaanz sachte vielleicht in die Richtung ging. Aber wirklich nur andeutungsweise… Die Farbe dieses Weines war hier auch intensiver, dunkler, goldengelb – das lag aber laut Frank John daran, dass er zur Reifung ein Barriquefass dazu genommen hatte, weil es von der Menge her mit den großen Fässern nicht aufging. Dann kam mit 2003 der letzte Wein ins Glas. – Und wir waren wieder am Anfang: ein Wein, so jung und lebendig. Wach! Wer schon mal kleine Kinder ins Bett gebracht und erlebt hat, wie die jedes Mal, sobald man den Raum verließ, hellwach wieder am Gitter standen und rüttelten (mein Rekord: 16x zurück ins Kinderzimmer), der versteht vielleicht mein Gedankenflash, der sich beim 1. Schluck dieses Weines eingestellt hat. Wo wir dachten, jetzt wird es ruhig und stiller, war unerwartet Leben. 2003 – der Jahrhundertsommer – stumpfe, langweilige Weine, zu wenig Säure, zu reife Trauben, so hieß es doch oft. HA! Nix davon. Nicht in diesem Wein jedenfalls. Der rote Faden aller verkosteten Weine: Reben, die im Buntsandstein wachsen, Trauben aus biodynamischem Anbau, spontan vergoren, BSA- Biologischer Säureabbau, Ausbau in Stück- und Doppelstückfässern, mind. 1 jähriges Vollhefelager, manchmal 18 Monate. Allen Skeptikern der Biodynamie empfiehlt sich eine solche Verkostung.  Der Geschmack und das Erleben der Weine von Frank John erklärt auf ganz simple Weise mehr als 1000 Worte und erübrigt noch mehr Diskussionen. Und wenn jetzt jemand sagt, wir wüssten ja nicht, wie diese Weine im konventionellen Stil geworden wären, kann man zumindest feststellen, dass die Biodynamie ganz offensichtlich nicht geschadet hat. Natürlich ist auch hier das Grundcredo absolut g.e.s.u.n.d.e.s. Lesegut, aber auch der größte Zweifler wird nicht umhinkommen zu vermuten, dass es das komplette Paket der (Nicht-)Maßnahmen ausmacht, das zur Langlebigkeit dieser Weine führt. BSA bei Rieslingen ist im allgemeinen ein Tabu bei vielen Weinmachern. So konsequent habe ich es bisher das erste Mal von Jungwinzer Marius Meyer in Rhodt gehört, als wir bei den Weinbautagen der Südlichen waren und da war ich schon überrascht. Von Frank John, der darauf schwört, haben wir nun auch die Erklärung dazu bekommen: die Weinsäure – mit rund 60% der größte Anteil der Säure des Weins – bleibt bei der BSA bestehen, es wird nur die Äpfelsäure zur Milchsäure vergoren. Es bleibt damit genügend Säure im Wein, wobei ‚zu spitze‘ oder dominante Säure vermieden werden kann. Interessant zu beobachten war (wieder einmal), wie sich die Weine im Glas (also mit Luft) veränderten. Das ging beim 2008er z.B. von Stall und nassen Wollsocken bis hin zum Karamell. Der Alkoholgehalt bewegt sich bei allen Weinen zwischen 12,1-12,7 vol%. Säure und RZ schwanken deutlich. Frank John erklärt das damit, dass die Gärung immer von selbst stoppt, bei einem gewissen Alkoholanteil, und er beeinflusst das Resultat nicht. Eine besondere Entdeckung für mich persönlich war, dass ich nicht auf die z.T. höheren RZ – Werte reagierte, insbesondere bei den Weinen, wo die Säure sogar unter dem RZ lag. Es spielte keine Rolle, sondern es waren tatsächlich immer die Gesamteindrücke der Weine, die mich beschäftigten. Das lässt sich nur auf die Komplexität zurückführen. Das Bild passte einfach jedes Mal. Es war kein Wein dabei, der mir nicht geschmeckt hätte. Es ging vielmehr um Nuancen, welcher Wein noch besser war… Auf der Probenliste wurden die Witterungsbedingungen und sonstige Einflüsse der Jahrgänge aufgezeigt, aber die spiegeln sich nicht unbedingt in jedem Jahrgang wider. Daran erkennt man wohl die Arbeit im Weinberg? Signifikant z.B. 2010, das Jahr des Vulkanausbruchs in Island. Weniger Licht und Sonne – sofort wurden die Reben geschnitten, Trauben geopfert. Grundsätzlich auch immer den Fokus auf der physiologischen Reife, nicht nur der Zuckerreife. Die Kerne müssen bei 85 °Ö schon dunkel sein. Es reicht nicht, hohe Öchslegrade zu haben und dazu noch grüne Kerne.

Frank John Vertikale

Frank John Vertikale

Man kann den Weinen nicht gerecht werden, in dem man sie auf Worte reduziert. Als Versuch, hier ein kurzer Überblick mit den für mich vielleicht wesentlichen Merkmalen/Unterschieden: 2013: sehr jung, straff, fordernd. Apfel, Pfirsich, Stroh. Vielschichtig, aber nicht richtig rund. Kaufen, hinlegen und beobachten – jetzt, wo man erlebt hat, wie die Weine sich entwickeln, ist das ein spannender Versuch. 2012: voluminöser als 2013, reifer Pfirsich. Der trockenste von allen. Darf auch noch warten. Kometenjahr. Frank John stellt die Frage in den Raum, wie feinstaubliche Effekte und elektrische Ströme auch den Weinbau in diesem Jahr beeinflusst haben mögen. 2011: war im Vergleich zu 13 und 12 schon sehr harmonisch. 60% der Triebe verloren bei Frost im Mai. Übrigens seit 100 Jahren auch das erste Mal Frost im Forster Kirchenstück, dem wohl am meisten geschützten Weinberg… 2010: sehr mineralisch. Island Vulkan, kalter, Sonnenschein armer Sommer. 2009: gewisse ölige Dichte des Weines, intensiveres gold-gelb als die bisherigen. Favorit bei einigen von uns. 2008: für mich erst nasse Wollsocken, später wunderbares Karamell. Ein Jahrgang mit sehr hohen Fruchtsäuren, hier wurde die Reifung auf der Hefe auf 18 Monate ausgedehnt. 2007: Ein laut Frank John unspektakulärer Verlauf des Jahres mit einer Rekordvegetationslänge. 2006: viel Grapefruit im Nachhall. Stichwort des Jahrgangs: Essig. Kompletter Verlust der Spätburgundertrauben. In den Weinbergen roch es überall nach Essig. Es waren in 1 Nacht 100 l Regen auf den qm gefallen. 2005: Tabak, Akazie in der Nase. Filigraner Wein.

2004 Riesling Buntsandstein Frank John

2004 Riesling Buntsandstein Frank John

2004: Honig, reife Honigmelone, Aprikose, Karamell, schwarze Walnuss, ölig. Mein Favorit. 2003: keine Notizen… War zu beschäftigt mit der Tatsache, dass auch dieser Jahrhundersommer-Wein noch so lebendig wirkte. Frank John erzählt von den Temperaturen in Nähe des Bodens: 61°C auf unbepflanzten, 39°C bei begrünten Flächen…….

Frank John, rechts, mit uns Weinfreunden. Selfie à la Christian Schiller.

Frank John, rechts, mit uns Weinfreunden. Selfie à la Christian Schiller.

Ein wunderbarer Abend ging zu Ende, wie schön dabei gewesen zu sein. Denn es wird ein paar Jahre dauern, bis die nächsten 10 Jahre verkostet werden können. Viele Eindrücke wurden gewonnen, auch die Tatsache, dass hier die komplette Familie wortwörtlich mit anpackt, ist bemerkenswert. Der Sohn Sebastian, gerade im Studium, ist bereits jetzt dermaßen involviert – und das nicht seit gestern. Er hat eigenhändig als Junge Wände verputzt und sonstigen handwerklichen Einsatz geleistet, den man nicht unbedingt von Kindern und Teenagern erwartet. Hier wurden Weichen früh gelegt, da bin ich mir sicher. Merkt euch schon mal den Namen: Sebastian John. Ich wünsche mir einen Abend mit der Familie John, wo man nur beisammensitzt und Wein trinkt und plaudert. Denn was dieser Mann zu berichten hat, ist für jeden Weinfreund besser als jedes Buch. Aber ich bin realistisch genug, einzusehen, dass er bereits genügend über Weinbau redet, schließlich betreut er 150 Weingüter. Wenn er dann von gefahrenen 100.000 km pro Jahr endlich hier daheim in Königsbach ist, wartet er sicherlich nicht auf das Weingepräch mit Nachbarn…. 🙂 Herzlichen Dank für diese Pfalzweinprobe der ganz besonderen Art! www.johnwein.de Hier war Frank John bei Hendrik Thoma und Wein am Limit zu Gast.

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