weinempfehlungen

Pechstein. Eine Lagenverkostung

Rieslinge von der Lage Pechstein sind bekannt für ihren rauchigen und mineralischen Charakter. Den Top-Weinen sagt man lange Reifezeit nach, wer sie zu jung trinkt, bringt sich ums echte Vergnügen. Bei 17 ha Gesamtfläche, die sich auf ca. 15 Weingüter verteilt, bleibt die Menge der Weine jeweils überschaubar und damit handelt es sich zumeist auch um Weine, die deutlich über der 20 € Marke liegen. Wir Neustadter Weinfreunde wollten es jetzt genauer wissen und haben 11 Weine aus der weltberühmten Lage blind verkostet. Die Preise pro Flasche lagen zwischen 5,60 € und 38 €. Jeder brachte mind. 1 Flasche mit, ohne zu wissen, welche anderen Weine dabei sein würden. Es war völlig frei, welches Weingut und welchen Jahrgang man bringen wollte. Alle meldeten ihre Weine an mich, so konnte ausgeschlossen werden, dass es doppelte Flaschen gab, wir wollten so viele verschiedene wie möglich probieren.

Doch zuerst einige Impressionen und Fakten…

Pechsteinkopf © Weingut Bürklin-Wolf

Pechsteinkopf von oben…. © Weingut Bürklin-Wolf

…. und aus der Nähe betrachtet…

Wein-Plus:
Pechstein. 
Einzellage in der Gemeinde Forst (Bereich Mittelhaardt-Deutsche Weinstraße) im deutschen Anbaugebiet Pfalz. Der Name deutet auf das schwarzgefärbte Vulkanergussgestein Basalt hin, das hier vor etwa 40 Millionen Jahren als flüssiges Magma aus dem Erdinnereren aufgestiegen ist. Die Basaltsteine an der Oberfläche gehen auf eine im 19. Jahrhundert übliche Form zur Bodenverbesserung zurück. Damals wurde von einem nur wenige hundert Meter entfernten Basaltsteinbruch gewonnener Schotter hierher transportiert und in den Boden eingebracht. Der nach Süden bis Osten ausgerichtete Weinberg in 120 bis 160 Meter Seehöhe mit 10 bis 15% Steigung umfasst 17 Hektar Rebfläche auf Buntsandstein-Verwitterungsböden mit sandigem Lehm und Basaltgeröll an der Oberfläche und Basaltadern im Untergrund. Hier wird vor allem die Sorte Riesling kultiviert. Anteile an der Lage haben zum Beispiel die Weingüter Acham-Magin, Bassermann-Jordan, Biffar Josef, Dr. Bürklin-Wolf, J. L. Wolf, Kimich, Lucashof, Mosbacher Georg, Müller Eugen, Reichsrat von Buhl, Schaefer Karl, Spindler Heinrich und Weingut von Winning.

Der VDP.Pfalz: PECHSTEIN FORST. Nach Südosten ausgerichtet und zum Waldrand hin ansteigend, hat die hohe Einstrahlung der Sonne zur Folge, dass der Boden stark erwärmt wird und dadurch die Trauben zur einer hohen Reife gelangen. Der Pechstein, dessen Name sich von dem hohen Basaltanteil (schwarzes Gestein) der Böden ableitet, liegt auf einer Höhe von 120-160 m über NN und weist eine geringe Hangneigung auf. Ein ehemaliger Vulkan, der Pechsteinkopf, oberhalb von Forst, verteilte vor Urzeiten große Mengen von vulkanischem Gestein. Im Untergrund der Lage Pechstein befinden sich daher mehrere Basaltadern, während lose Basaltsteine sich auch an der Bodenoberfläche befinden. Weiterhin findet man im Pechstein roten Buntsandsteinverwitterungs- und sandigen Lehmboden, der stellenweise mit Sandsteingeröll und Tonanteilen versetzt ist. Der Anteil an Ton und Lehm im Pechstein hat eine hohe Wasserspeicherkapazität der Böden zur Folge, durch welche die Mineralien des Gesteins hervorragend erschlossen werden.

Terra Palatina: Basalt stammt aus dem Tertiär und ist vor ca 53 Mio Jahren entstanden. Total gibt es in der Pfalz ca 40 ha, außer im Pechstein findet man es auch in den Lagen Forster Kirchenstück, Ungeheuer und Wachenheimer Odinstal.

Zur Orientierung Bild anklicken und zu Weinlagen-Info wechseln

Zur Orientierung Bild anklicken und zu Weinlagen-Info wechseln

Und damit nun zur Verkostung. Folgende Weine wurden in dieser Reihenfolge verdeckt ausgeschenkt und es ging darum, den Jahrgang zu schätzen und ggf. auch das Weingut. Beides hat sich zum Teil als sehr schwierig herausgestellt und es waren nur wenig Volltreffer dabei. Die Bewertungsskala war 1-10, 10 die beste Note.

1. 2014 Forster Pechstein Riesling Kabinett, Forster Winzerverein. 5,60 €
Huuh! Schelm! Gleich zu Beginn eine Überraschung: ein 14er! Sehr primärfruchtig, mit viel Ausdruck, aber auch Eisbonbon und natürlich noch völlig geteilt, hier war noch keine Harmonie zu erkennen. Jedoch! Einige waren sich einig darüber, dass dieser Wein Potential haben kann und man will ihn sich besorgen, um später nach zu verkosten. Eine echte Überraschung also. Durchschnittliche Bewertung: 5.5.
www.forster-winzer.de

2. 2013 Pechstein Spätlese trocken, Lucashof. 20 €
Bei diesem 2. Wein stand nun auf allen Notizen ‚mineralisch‘ dabei, was beim Vorgänger noch nicht der Fall war. Gelbe Frucht, Mirabelle. Manche schrieben ‚bitter‘. Zuviel spürbaren Alkohol für mich. D. B.: 5.
lucashof.de

3. 2013 Pechstein GG, Von Buhl. 35 €.
Sehr prägnante Säure war hier das Stichwort. Wilder ein anderes. Mineralisch auf jeden Fall. Dieser Wein war eine der größten Überraschungen beim späteren Enthüllen und ich glaube, alle hätten gerne noch einmal probiert, jetzt wo man verstand, dass das der einzige knochentrockene war. Für mich einer meiner Favoriten des Abends. Ich hatte bei der Frühjahrsverkostung ihn nicht als Pechstein erkannt – inzwischen hat er sich bereits verändert und der Stil fasziniert mich. Es war einer meiner Weine, die ich in die Probe gestellt hatte.  Bei der Abholung im Weingut bekam ich ihn zu schmecken, aus einer Flasche, die bereits seit 8 Tagen geöffnet war. Beeindruckend. D.B.: 5.
www.von-buhl.de

4. 2012 Forster Pechstein Riesling Kabinett trocken, Kimich. 7 €.
Cremig stand auf fast allen Zetteln. Mineralisch. Manche tippten auf feinherb. Füllig und ‚breit‘ im Mund.  D.B.: 5.
www.weingut-kimich.de

5. 2012 Forster Pechstein Riesling Kabinett trocken, Margarethenhof. 8.80 €
Saftig, mineralisch, rund. Dieser Wein gefiel bei der Blindprobe und ergab den Aha-Effekt bei der Aufdeckung. Bei dem Preis kann ein Pechstein zum Alltagswein werden. Mich hat es auch gefreut, da ich diesen Wein schon bei den Wine Changes entdeckt hatte und meine Meinung darüber hat sich nicht geändert. D.B.: 6.5.
www.margarethenhof-forst.de

6. 2012 Pechstein Forst GG, Acham-Magin. 28 €
Bei diesem Wein stimmte etwas nicht. Er war nicht, was die, die ihn bereits kannten, erwarteten und die meisten Notizen waren Dosengemüse und Fehltöne. Wir gehen von einer Flaschenvariation aus und bedauern es. D.B.: —
acham-magin.de

7. 2010 Pechstein GG, Bürklin-Wolf. 30 €
Harmonisch, etwas Reife, feine Säure, aber ’nicht frisch genug‘ stand auf einem Zettel. Es war mein Wein und ich sage auch, dass der 2009er und 2004er noch besser sind. Hier entstand – im Nachhinein – die Diskussion wieder, wegen dem Jahrgang 2010. Oder ob es das falsche Timing war, ihn jetzt zu öffnen? Ich bin gespannt auf die 2. Nachverkostung… D.B.: 6
www.buerklin-wolf.de

8. 2010 Pechstein GG, Mosbacher. 28 €
Ups. Was war passiert? In der Nase gewisse Reife, sehr einladend, dann am Gaumen plötzlich sehr, sehr jugendlich, zu jung, mit einer Säure, die sich verselbständigt hatte. Hier die große Frage! Flaschenproblem? Jahrgang? Timing? Die Bewertung lag bei 3. Aber ich denke, man müsste, wie beim Acham-Magin Wein auch, nach verkosten, um sicher zu sein.
www.georg-mosbacher.de

9. 2009 Pechstein GG, Bassermann-Jordan. 38 €
Now we’re talking! Bei 5 jähriger Reife angekommen, kommt der Genuss in eine andere Liga. Es wird ruhiger am Tisch, alle sind beschäftigt. Tolle Frucht heisst es da, reifer aber dennoch frisch, +. Mineral! Einige der Vermerke. Auch für mich einer der schönsten Weine des Abends, mit einer Struktur, die mir sehr gefällt. D.B.: 8.5
www.bassermann-jordan.de

10. 2007 Pechstein GG, Mosbacher. 30 €
Now we’re in heaven! Der Favorit des Abends für die meisten. Auch für die Jungweintrinker. Schöne Balance, leichte Petrolnoten, reife Frucht, kräutrige Noten, Mineralität. Komplex und gewisse Tiefe. D.B.: 10
www.georg-mosbacher.de

11. 1995 Pechstein Auslese, Bürklin-Wolf. 35 €
Diesem Wein wurden wir nicht gerecht. Er hätte Zeit gebraucht, die er nicht hatte. Als einzigen süßen Wein, haben wir ihn nicht verglichen mit den anderen, sondern separat im Anschluss getrunken. Hier muss ich die Beschreibung übernehmen, da ich ihn am nächsten Tag noch einmal verkosten konnte – nachdem er genügend Luft hatte. Ein Traum von Wein. Bernsteinfarben, hohe Viskosität mit ausgeprägten Tränen. Duft von Orangenschale, Blüten, sehr reifen Aprikosen. Und wieder: mineralisch. Feine Säure. Beautiful.
www.buerklin-wolf.de

11BWAuslese

1995 Forster Pechstein Auslese, Bürklin-Wolf

 

Pechstein. Haben wir ihn gefunden, den roten Faden durch alle Weine? Wir denken ja. Alle Weine (außer dem zu jungen) hatten eine deutliche Mineralität, ohne Zweifel. Ansonsten hat sich wieder bestätigt, Stil und Handschrift des Winzers hat genauso – oder noch mehr – Gewicht am Ende. Das Thema Herkunft alleine auf den Wuchsplatz zu beziehen, funktioniert nicht.

Mit der Probe der unterschiedlichen Jahrgänge hat es jetzt auch der letzte begriffen: diese Weine brauchen Zeit. Während die jungen Jahrgänge gut waren, begann die Euphorie erst bei ab 5 Jahren Reife. Die muss man dem Pechstein wohl mindestens geben. Grundkurs bestanden. Für die fortgeschrittene Pechsteinprobe müsste man nun also Weine älterer Jahrgänge innerhalb ihres Jahrgangs vergleichen. Wann bitte? Ich bin bereit!

Danke an die Neustadter Weinfreunde für diesen lehr- und genussreichen Abend, bei dem übrigens noch 10 weitere Weine (nicht Pechstein) ausgeschenkt wurden, die wir in Kurzform demnächst kommentieren.

Cheers!

Frühere Beiträge zum Thema Pechstein:
pechstein-der-krimi

grosse-gewaechs-probe-in-deidesheim

winechanges-and-times-do-too/

9 replies »

  1. Liebe Heike, dein Beitrag ist eine perfekte Zusammenfassung eines einzigartigen Abends.
    Der rote Faden bei den Pechsteinen, jedenfalls für mich, ist die Mineralität gepaart mit einer rauchigen Würze. Diese Würze war vor allem bein den 2009er Bassermann und dem 2007er Moosbacher deutlich wahrnehmbar. Bei dem 2007er Moosbacher konnte man die Würze sogar als leichte Rauchschinkennote erkennen. Bei den jüngeren Weinen war die Mineralität mehr mit Fruchtnoten nach gelben Früchten, wie z.B. Mirabellen, gepaart.
    Vielen Dank nochmals von meiner Seite an dich als großartige Gastgeberin.

    Gefällt 1 Person

  2. Es gibt nichts hinzu zu fügen. Du hast den Pechstein Abend und die Weine perfekt analysiert und beschrieben. Stephan sein fein Tuning hätte ich genauso geschildert. Trotz vielen großen Gewächsen ist für mit im Bereich Preis-Leistung der Pechstein vom Margarethenhof in Forst. Und wir hatten einen großartigen Sieger vom Weingut Mosbacher in Forst. Danke Heike, Danke liebe NWF für diesen unvergesslichen Abend ……….nicht zu vergessen das kleine Kullinarium von dir liebe Heike 😉

    Gefällt 2 Personen

  3. Bei einer solch tollen anschaulichen Darstellung tut es mir noch mehr leid, dass ich nicht mit probiert habe. Aber ich möchte zumindest noch was zu der Jahrgangsfrage hinzufügen: ich glaube nicht, dass die 2010 noch Entwicklungspotential haben, denn wenn die Säure abgebaut ist, fehlt es auch vielen GGs an Körper. Fazit: sie werden nur noch schwächer. Hier 2 gute Beispiele.
    Die tolle Probe und diese exakte Schreibung rufen nach Wiederholung. Danke Heike.

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  4. Danke für eure Ergänzungen und Anmerkungen! Nur so wird es komplett :). Sigi einzig…: der 2010er Mosbacher hatte durchaus Säure, da ist es also noch nicht klar, was mit dem Wein gerade zu dem Zeitpunkt war. Bleibt also schon noch eine Gegenprobe zu tun. Cheers bis bald!

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  5. Just a note about 2010s. 2010s have surprised many of us with their ripe fruit, who would have thought it on first tastings in 2011.

    However structure is there and you are so right to talk about „phases „of a wines life.

    Longterm I rate our 2010 as highly as 2001

    Cheers

    Tom

    Gefällt 1 Person

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