weingüter

Weingut Sommer, Hambach

By Stephan Nied

Der 3. Besuch unserer Reihe ‚Donnerstags im Dorf‘ führt uns zu Christoph Sommer. Der mit den unanständigen Weinen…

Christoph Sommer und Stephan Nied

Christoph Sommer und Stephan Nied

Seit 2001 ist Christoph für den Keller verantwortlich und heute führt er das Weingut zusammen mit seiner Familie in der 8. Generation. 13 Hektar Weinberge gehören dazu, die überwiegend in Hambach wachsen, ein geringerer Anteil steht in Kirrweiler. Momentan befindet man sich im 1. Jahr der Umstellungsphase zum Biologischen Anbau. 10% des Weines wird als Fassware verkauft, im Fokus liegt eindeutig das Flaschenwein-Geschäft. Die Kundschaft besteht zum größten Teil aus privaten Endabnehmern, Handel und Gastronomie spielen die untergeordnete Rolle. Über das stets wachsende Internetgeschäft werden die Hambacher Gewächse auch ins europäische Ausland verschickt. Und das problem- und mühelos, so Christoph. Schweiz, Spanien, Polen, etc. – you name it.

Bei Sommers haben die Qualitätsstufen ganz eigensinnige Bezeichnungen: so liegen die Basisweine in der Kategorie ‚Bodenständig‘: traditionell, naturnah, ursprünglich, gediegen, guter Preis, weniger Alkohol, fruchtig, für jeden Tag. Die ‚Eigenständigen‘ sind individuell, originell, souverän, dicht, gute Essensbegleiter, mit Entwicklungspotenzial. ‚Unanständig‘ umfasst: nachhaltig, experimentierfreudig, langlebig, aus den besten Weinlagen, mit viel Handarbeit und Liebe gemacht, nicht nur für besondere Anlässe. Die Weine dieser Kategorie haben alle Naturkorken. Dann die 4. Gruppe, die ‚Druckbeständigen‘: fruchtig, spritzig, belebend. Das sind also die Sekte und Seccos, die rund 10% des Gesamtvolumens ausmachen.

Da die meisten der gängigen Weinsorten momentan ausverkauft sind und gute Weine Zeit brauchen, deshalb erst ab März, April abgefüllt werden, durften wir einiges im Keller direkt aus den Fässern probieren. Sehr schön.

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Weingut Sommer, im Keller…

Los ging es mit dem Blanc de Noir, den wir in der Blindprobe auch direkt als solchen erkannt haben. Typische Zwiebelschalen-Farbe, durch den Restzucker sehr gefällig am Gaumen, so, wie die meisten Blanc de Noir – Trinker es eben gerne haben. Die Cuvée aus Portugieser und Spätburgunder hat 11% vol. Alk. Ein Renner bei den Kunden, ein Selbstläufer zum Preis von 4.- €.

Die 2. Blindprobe war dann schon etwas kniffliger, wir kamen nicht sofort drauf: Silvaner. Ein recht fruchtiger Vertreter der Sorte, nicht so grün-geprägt und überraschend viel ‚Schmelz‘. Für 3.80 € zu haben.

Danach dann den Silvaner ‚Eigenständig‘, der Schlossberg Silvaner. Ein Wein mit Volumen und Schmelz. 15% der Trauben wurden mitvergoren, Naturwein-inspiriert also. Mit ca 4000 l/ha ein niedriger Ertrag, was sich in der Kraft des Weines widerspiegelt. Man sollte sich diesen Wein vormerken und mit Spannung später wieder probieren!

Als nächstes gab es den Chardonnay aus der Südhanglage zu probieren. 14% Vol. Alk., typisch exotische Aromen, und einen Weissburgunder mit feinem Schmelz, der aufgrund seiner Lage meist fülliger ausfällt als der Grauburgunder, was eigentlich eher untypisch ist.

Dann ging es hoch in die Vinothek, wo besprochene Weinproben für Gruppen bis zu 30 Personen angeboten werden. Hier ging die Probe weiter mit einigen Weinen aus der Flasche:

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Sonne und Sommer, Weingut Sommer

2014 Sauvignon Blanc trocken, Stachelbeere, schwarze Johannisbeere, dicht, phenolisch, mit einer Restsüße von 8 g. Die Reben hierzu wachsen auf einer Lehmzunge, die sich durch den Schlossberg zieht, was den Weinen eine spürbare Dichte verleiht. 5.50 €

2014 Riesling trocken: klassisch knackig, leicht und frisch, einen Hauch von kräutrig und ganz dezente Frucht von Apfel und Pfirsisch. 3.90 €/1 l

2013 Riesling halbtrocken: fruchtig, gute Balance zwischen Säure und Rz. 3.90 €/1 l

2013 Scheurebe, mild: exotische Früchte, 30 g Restsüsse 4,20 €

2013 Hambacher Schlossberg Riesling Auslese, spontan vergoren, dicht, ölig mit wunderbaren Orangenaromen. Die Reben sind 40 Jahre alt. 6.50 € ist eigentlich unanständig günstig.

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Grundbuchauszug an der Wand im Weingut Sommer © Stephan Nied

Auf dem Weg hinunter in den Barriquefasskeller kommen wir an der Wanddekoration vorbei, ein Abdruck des ehemaligen Grundbuchauszuges. Dabei erfahren wir von Christoph, wie gut eingebunden man am Ort ist und wie royal man eigentlich ist, schliesslich waren bereits einige der weiblichen Familienmitglieder Weinprinzessinnen…

Unten angekommen, geht es weiter. Das Schläuchlein wieder ins Fass und dieses Mal kommt eine Chardonnay Beerenauslese aus dem Barrique ins Glas. Niemals vorher probiert. Auch für den Kellermeister eine ganz neue Sache, extra zur Geburt der Tochter. Jedes Kind bekommt nämlich den eigenen Wein. (Bleibt auf viele Kinder zu hoffen, damit wir noch weitere Exoten probieren dürfen!) Ein sehr intensiver Trank, der hier im werden ist. Noch zu früh, um viel zu sagen, aber soviel steht fest: man darf gespannt sein!

Jetzt den Riesling Goldkapsel, ein Teil der Cuvée, die Sommer gemeinsam mit Döring macht und von der wir erst beim nächsten Besuch mehr erfahren werden…

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Spätburgunder Leimen direkt aus dem Fass © Stephan Nied

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© Stephan Nied

Nun zu den Roten, die etwa 30% Anteil ausmachen.

Spätburgunder, Portugieser, Dornfelder, Cabernet Dorsa, der meist als Verschnittwein zum Einsatz kommt, und einiges mehr.

Spätburgunder aus den Gewannen Spitz und Leimen, beide aus dem Hambacher Schlossberg. Nur 200 m entfernt voneinander und doch so eigene Stile. Der Leimen liegt auch in der bereits o.g. Lehmzunge und bringt den breiteren, fetteren Wein von beiden, die von gleichen Klonen stammen. Sie haben noch Zeit vor sich, warten wir die Endweine ab. Das Potential ist jedoch bereits klar zu er-schmecken…

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Cabernet Franc 2014 © Stephan Nied

Unser beider Favorit des Tages, den ich auch sofort auf Vivino gepostet habe, war der 2013 Cabernet Franc, der demnächst auf die Flasche kommt. Preis ca 8.- € – unbedingt kaufen! 16 Monate teilweise in französischen und deutschen Barriques gelagert, haben wir noch aus dem Tank probiert, wo sie inzwischen zusammengeführt auf die Abfüllung warten. Kirsche, Pfeffer, schwarzer Tee, Blockschokolade – intensive Aromen – und dazu griffige Tannine. Diesen Wein gibt es erstmalig sortenrein, wir sagen Top-Unanständig!

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Christoph für seine Zeit und die ausgesprochene Gastfreundschaft. Es war ein Besuch, der uns wieder  inspirierte und uns darin bestätigte, dass es eine sehr gute Idee war und ist, für uns ganz neue Weingüter entdecken zu gehen! Also: weiter geht’s mit ‚Donnerstags im Dorf’…

www.weingut-sommer.de

 

Kommende Veranstaltungen: (hier klicken für nähere Infos)

Weinmesse Bremen: 27.3.-29.3. 2015

Wine & Dance im Metallwerk Mussbach: 18. April 2015

Culivino: 23.-25. Mai 2015

Kunst und Wein: 10.-12. April 2015

Hambach Schwarz Rot Gold: 19.-21. Juni 2015

Hambacher Woihännel: 21. November 2015

 

Bisherige Beiträge ‚Donnerstags im Dorf‘:

Weingut Martin Nickel, Weingut Johann Müller

hier klicken...

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