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Vom Anfang bis zum Ende – NWF bei Ralf Kappner

By Stephan Nied

Ralf Kappner, Mußbacher Winzer aus Leidenschaft mit viel Talent

Endlich war es mal wieder soweit, nachdem die Februar-Verkostung der Neustadter Weinfreunde (NWF) krankheitsbedingt ausfiel, trafen sich die NWF zu ihrer März Verkostung im Weingut Rebenhof Kappner in Mußbach.

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Ralf Kappner / (C) Stephan Nied

Der Rebenhof Kappner wurde im Frühjahr 2005 mit einer Rebfläche von nur 0,41 Hektar gegründet und ist somit eines der kleinsten Weingüter der Pfalz – vielleicht sogar das kleinste! Wobei Ralf Kappner das Weingut eher als Hobby betreibt, die Hauptarbeit entfällt auf die Bewirtschaftung von 33 ha Weinbergen für die Winzergenossenschaft in Mußbach. Eine wichtige Besonderheit im Rebenhof Kappner ist, dass alle Arbeiten von der Rebveredlung bis zum fertigen Flaschenwein, vom Anfang bis zum Ende, im eigenen Weingut durchgeführt werden.  Das Weingut produziert seine Pfropfreben, mit denen seine Weinberge bepflanzt wurden, selbst. Alle Weine sind also vollkommen aus eigener Produktion.

Ralf Kappner, Mußbacher Winzer aus Leidenschaft mit viel Talent. So könnte man Ihn wohl beschreiben. Seine Weine präsentieren sich jung und dynamisch. Noch fast ein Geheimtipp mit kleinen Mengen aber fairen Preisen. Und dazu grundsympathisch. Ralf ist ein Winzer, dem man stundenlang zuhören kann. Da sprudelt das Fachwissen und die Passion geradezu aus ihm heraus. Ralf stieg nicht sofort in den elterlichen Betrieb ein, bevor er den Winzerberuf ergriff,  war er als  Softwareentwickler in der IT Branche tätig. Nach ein paar Jahren in der Branche, entschied er sich zu guter Letzt doch dazu, den Winzerberuf zu ergreifen, die Ausbildung absolvierte er in so namhaften Betrieben wie Karl-Heinz Gaul in Sausenheim und im VDP Weingut Dr. Wehrheim in Birkweiler. Später folgte noch die Weiterbildung zum Wirtschafter und Winzermeister. Interessanterweise wurden die Lehrbetriebe damals vom ehemaligen Gutsverwalter im Pfälzer Weingut Müller-Catoir, Hans-Günter Schwarz, vermittelt. Ralf Lieblingswein ist übrigens, nicht wirklich eine Überraschung, der Riesling.

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(C) Stephan Nied

Verkostungsnotizen:

Passenderweise, zum 10 jährigen Betriebsjubiläum, eröffnete Ralf den Abend mit einem 2005er Riesling Sekt Brut. Der Sekt duftet verführerisch nach Ananas und Brioche, untermalt von reifen Tönen und Honigduft. Von diesem selbst versekteten Sekt wurden nur 100 Liter erzeugt und wir durften eine der letzten Flaschen aus den Anfängen des Rebenhofs kosten.

Die leichten Böden auf denen der Weißburgunder in der Lage Mußbacher Eselshaut steht, sind ein Garant für die ausgeprägte Fruchtigkeit des Weines. Der 2013er Weißer Burgunder trocken (4,50 Euro / 0,75 l) duftet zuerst nach Stachelbeere, dann kommen Butter und Sahne zum Tragen und danach entfalten sich noch Pfirsich und Aprikosenaromen. Der Wein gefällt durch seine Cremigkeit, die sich perfekt mit seiner harmonischen Säure paart.

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(C) Stephan Nied

Der 2014er Sauvignon Blanc trocken (7,50 Euro / 0,75 l) kommt im Moment als Aromenbombe daher, grüne Paprika und Limette, schlank und elegant.

Ralfs Basiswein, der modern vinifizierte 2014er Riesling OLD SCHOOL (4,50 Euro / 0,75 l), kommt mit einer recht knackigen Säure als Zitrustyp daher.  Der Wein besitzt ein fast unschlagbares Preis-Genuss-Verhältnis. Über ihn sagt Ralf:

„ Der schmeckt so, wie man ihn früher gerne getrunken hätte“.

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Kappner Old School Riesling trocken (C) Stephan Nied

Nun kommen wir zu einer kleinen vertikalen Verkostung von Rieslingen aus dem Gimmeldinger Mandelgarten (7,50 Euro / 0,75 l):

2008er: Opulente Nase nach Früchtekompott, schönes Säurespiel, am Gaumen nicht ganz so opulent wie es die Nase verspricht aber immer noch sehr jugendlich.

2013er: aus kerngesundem Lesegut, moderner Rieslingtyp,  seine Typizität  erinnert sehr an einen klassischen Mittelhaardter Riesling. Am Gaumen rund, salzig gepaart mit feinen Zitrusaromen.

2014er: noch primärfruchtig nach Maracuja duftend, sehr ähnlich von Stil wie der 2013er, jedoch  etwas mehr Süße und Schmelz.

Bemerkenswert ist auch, dass die Weine nicht verschnitten, sondern Sorten- und Lagenrein ausgebaut werden.

„Da wo andere nur von Terroir reden machen wir`s einfach! Wir haben nämlich gleich vier Lagenweine des Jahrgangs 2014 anzubieten! Das interessante dabei: Alle Weinberge wurden gleich bewirtschaftet und die Trauben  wurden auch gleich weiterverarbeitet. Im Keller wird dies selbstverständlich so weitergeführt! Das Ergebnis sind Weine, die sich wirklich nur durch ihr Terroir unterscheiden! Und das ist besonders spannend – denn sie schmecken alle unterschiedlich. So soll es auch sein.“ (Ralf Kappner)

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(C) Stephan Nied

Ein anderer Typ Riesling ist der kräutrig-würzige 2014er Riesling Mußbacher Schlössel  (ca. 7,50 Euro / 0,75 l), aus dem Hausweinberg „Am Hasenstein“ .  Zu der Würze kommen noch mineralische Aromen von Feuerstein. Ein schlanker, saftiger Riesling mit feiner Säure.

2014er Riesling Deidesheimer Leinhöhle (Preis steht noch nicht fest) – das Besondere: Pflanzjahr 1979, ein typischer Terroirwein, feinherb mit einer schönen Mineralität, Elegant und Komplex, mit viel Nachhall.

Ein weiteres Steckenpferd von Ralf ist der Merlot, den er als ideale Rotweinsorte für die Pfalz ansieht.

Der 2013er Merlot Rose (4,50 Euro / 0,75 l) ist einer der wenigen Roseweine die mir wirklich schmecken. Er überzeugt durch seine Cremigkeit und angenehm, natürlichen Erdbeer- und Himbeeraromen, die nicht gummibärartig, künstlich daherkommen.

Dazwischen gab es noch hervorragend Canapes von selbstgebeiztem Lachs und Bruschetta.

Weiter ging es dann mit Merlots aus verschiedenen Jahrgängen, die alle eine typische Handschrift nach Würze, Pfeffer, Schoko und Raucharomen tragen.  Leider war der Abend da schon so weit vorangeschritten und mein Gaumen auch nicht mehr sehr differenzierungsfähig, so dass ich die Rotweine leider nicht mehr richtig beschreiben konnte.

Wenn ihr nun Lust bekommen haben solltet, Ralfs Weine zu probieren, so könnt ihr dies direkt im Weingut machen oder auch im Turmstübel in Deidesheim.

Zu erwähnen ist noch, dass Ralf den kompletten Unkostenbeitrag des Abends für die, von den NWF unterstützte Aktion, „Schulranzenhilfe 2015“ gespendet hat!!

Abschließen möchte ich mit einem weiteren Zitat von Ralf:

„Ich will die perfekte Traube ernten, der Rest geht von alleine“.

Rebenhof Kappner

NWF Wein & Wohltätigkeit

Bisherige monatliche Weinproben der Neustadter Weinfreunde:

Sektgut Andrés & Mugler
Weingut Christmann
Oliver Zeter
Weingut Weik in Mussbach (Bericht fehlt)
Weingut Bergdolt-Reif & Nett in Duttweiler
Weingut Johann F. Ohler in Gimmeldingen (Bericht fehlt)
Weingut Leonhard Zeter in Diedesfeld

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