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Weinprobe bei Von Winning

by and Stephan Nied on 15/04/2015

Von Winning © LL kingscreek.de

Von Winning © LL kingscreek.de

1849 wurde dieses Weingut gegründet, das wir Neustadter Weinfreunde jetzt besucht haben. Eine beeindruckende Geschichte liegt dahinter, die damit begann, dass Auguste Jordan von ihrem Vater damals Anteile an den besten Weinlagen der Pfalz erbte, aber kein Weingut dazu. Glück und Liebe (vielleicht auch Zweck?) fügten es, dass sie Friedrich Reinhard, Sohn des Inhabers der Sektkellerei Deinhard, heiraten sollte und das Paar gemeinsam dann das Weingut gründete. 1871 übernahm der Sohn Dr. Andreas Deinhard das Gut und baute es aus.

In der 3. Generation wurde in 1907 mit dem Schwiegersohn, Hauptmann a.D. Leopold von Winning (Militäradel), die Wachstumsphase fortgesetzt. Er vergrößerte den Gutsbetrieb auf circa 23 Hektar Rebfläche sowie circa 34 Hektar Acker- und Wiesenfläche. Unter seiner Führung wurde das Gut in „von Winning’sches Edelweingut“ umbenannt. Von Winning war Gründungsmitglied und zeitweiliger Vorstand des Pfälzischen Vereins der Naturweinversteigerer (heute VDP). Das Weingut wurde nach dem Tode Von Winnings im ersten Weltkrieg 1918 von dessen Frau veräußert.

Im Jahr 1918 ging das Gut in den Besitz von Landesoekonomierat Hoch über. Die Familie Hoch führte in Neustadt bereits ein Weingroßhandelsunternehmen, sowie ein weiteres 1880 erworbenes Weingut. Herr Louis Hoch war zudem viele Jahre Stadtrat und zeitweise auch stellvertretender Bürgermeister der Stadt Neustadt. Er führte das Unternehmen unter dem Namen Dr. Deinhard weiter. Sein Sohn Karl Hoch übernahm 1929 die Leitung und arrondierte die Lagen Mariengarten und Paradiesgarten. Durch seine Anweisung wurden die Skulpturen Madonna und Eva aufgestellt.

Erst mit der Übernahme durch den Neustadter Geschäftsmann und Investor Achim Niederberger in 2007 ging man wieder zum Namen Von Winning zurück, nachdem die Nachfahren ihre Einwilligung dazu gegeben hatten. Es wurde immens investiert und somit ein hervorragender Grundstein gelegt für eine Erfolgsstory. Denn anders kann man es nicht nennen. Das Team um Geschäftsführer Stefan Attmann – zusammen mit dem Restaurant zählt man 50 Mitarbeiter – ist hochmotiviert und professionell zugange.

Katharina Hauck, Von Winning © Stephan Nied

Katharina Hauck, Von Winning © Stephan Nied

Rosé Brut Nature Von Winning

Rosé Brut Nature Von Winning

Unser Besuch begann mit einem Begrüßungssekt, dem Rosé Brut Nature, einem Schaumwein ohne Dosage also. Eine sehr feine Perlage mit winzigsten Perlen gibt ein angenehm cremiges Mundgefühl. Die Grundweine, Chardonnay und Spätburgunder, wurden teilweise in Holz ausgebaut, die Tannine daraus geben dem Sekt eine gute Struktur und auch eine gewisse Würze. Die 3 jährige Flaschengärung sorgt für Komplexität und feine Brioche Noten.  Preis: 24 €.

Treppe zum ursprünglichen Keller @ von Winning. © LL www.kingscreek.de

Treppe zum ursprünglichen Keller @ von Winning. © LL http://www.kingscreek.de

Damit ging dann der Kellerrundgang los. Der Eingang ist im ursprünglichen alten Gewölbekeller, dessen Treppe mit ihren abgelaufenen und unebenen Stufen alleine schon eine Geschichte erzählt. Von vielen Menschen, die in vielen, vielen Jahren unzählige Male hier hinunter und herauf gegangen sind.

Die Kellertour führt an den Stahltanks der Dr. Deinhard Linie vorbei. Hier werden die klassischen Weine ausgebaut, die weiterhin Stil und Namen vergangener Zeiten interpretieren. Es sind die einfacheren Weine des Hauses, was aber nicht mit schlechter gleichzustellen ist.

Durch die moderne Halle, die von der Strasse her gesehen, im Dachgeschoss und nach hinten hinaus auf Weinbergsebene liegt, was den Ablauf der Traubenanlieferung und Pressung während der Erntezeit enorm erleichtert. Die Tore werden geöffnet, die Trauben bis an die Einfüllstationen gebracht.

© Stephan Nied

© Stephan Nied

Die Lage direkt hinter dem Weingut ist der Grainhübel, darüber liegt der Kalkofen. Dazu mehr bei den Weinbeschreibungen. Das Weingut arbeitet im eigentlichen Sinne konventionell, jedoch so naturschonend wie nur möglich. Pestizide und Kunstdünger sind verbannt. Kuhdung in Hörnern wird ausgebracht, Weinbergsbegrünungen wechseln sich mit immer anderen Kräutern und Gewächsen ab, um die bestmögliche Bodenförderung zu erzielen, usw.

Von Winning Keller Foto © Magnus Reuterdahl

Von Winning Keller Foto © Magnus Reuterdahl

Auch im berühmten Holzfasskeller des Weingutes waren wir zu Gast. Als größter freitragender Keller Deutschlands, also komplett ohne Pfosten, hat er enorme Ausmaße. Hier liegen die zumeist spontanvergorenen Weine von Winnings bis zur Füllung auf der Hefe. Jedes Fass hat seinen ganz eigenen Charakter. Wenn sich die Oenologen ans Probieren begeben, sind sie, laut Katharina, jedesmal wieder überrascht, wie sich der Wein jeweils so unterschiedlich entwickelt. In der Cuvée zeigt sich das mit der Vielschichtigkeit der Weine.

Momentan gibt es 7 Grosse Gewächse und 3 Weine aus Ersten Lagen.

Die anschließende Verkostung umfasste 13 Weine, wie nachfolgend aufgeführt. Vorab nennen möchte ich:

Forster Riesling UK - 2013, Dr. Deinhard

Forster Riesling UK – 2013, Dr. Deinhard

2013 Forster Riesling UK, Dr. Deinhard, 8 €
Absoluter Preis-Leistungsfavorit. Die Trauben stammen aus der GG-Lage Ungeheuer und bringen die typische Würzigkeit mit, die sich selbst in diesem einfachen Wein aus dem Edelstahltank erkennbar macht. Ansonsten viel Frucht, saftig und ganz einfach ein Wein mit gutem Trinkfluss, der Spaß macht.

Deidesheimer Kalkofen GG - 2013, von Winning , (C) Stephan Nied

Deidesheimer Kalkofen GG – 2013, von Winning , (C) Stephan Nied

2013 Deidesheimer Kalkofen GG, 28 €
Stephans Favorit, immer wieder, wie er selbst sagt. Ein opulenter und komplexer Wein mit viel Tiefe und Würze, öliger Textur. Vanille, Pfirsich, Ananas, mineralisch.

2012 Chardonnay I, von Winning

2012 Chardonnay I, von Winning

2012 Chardonnay I, 24 €
Mein Lieblingswein des Abends. Vielleicht, weil ich ihn nie vorher probiert habe, vielleicht aber ganz einfach, weil er die perfekte Balance für mich hatte, zwischen Holz, tropischer Frucht, fülligem Körper, schön eingebundener Säure. Ein wunderbarer Wein, cremig und mit langem Nachhall.

Die restlichen Weine der Probe waren:

2014 Grauer Burgunder, Dr. Deinhard 7.80 €
Mit zartem Hauch von Rosa in der Farbe, frisch und klassischen Aromen.

2013 WIN WIN Riesling, 10 €
Fruchtbetonter, leichter Wein mit Apfel, feiner Würze. In Stückfässern oder größeren Fässern ausgebaut.

2013 Ruppertsberger Reiterpfad Riesling, Erste Lage, 15.50 €
Sehr zugänglicher Typ. Schmelz. Aus vielen verschiedenen Holzfässern zusammengeschnitten.

2013 Deidesheimer Grainhübel Riesling, Erste Lage, 17.50 €
Gut geschützte Lage auf Korallenriff. Eleganter Typ, kühler, viel Zitrus, würzig, betonte Säure, Holz noch vordergründig, darf noch reifen.

2012 Deidesheimer Grainhübel – als Gegenprobe. Reife Pfirsichnoten, etwas Petrol, das Holz gut eingebunden, ein runder Wein.

2014 Sauvignon Blanc II, 10.50 €
Eine Assemblage aus verschiedenen Deidesheimer Lagen, saftig, grüne Noten, deutlich Stachelbeere und Limette, angenehm frische Säure und doch cremig. Ein Spasswein!

2012 Sauvignon Blanc I, 17 €
Die Trauben für diesen Wein stammen teilweise auch aus einer Anlage mit Dichtpflanzung (Paradiesgarten) und aus Lagen mit Buntsandstein, Kiesel und Kalkböden. Ein Sauvignon Blanc nach französischer Art, schöne Säure und exotische Frucht nach Maracuja, Limette und etwas Aprikose, salzig, gute Struktur und Körper durch den Holzausbau, mich fasziniert an diesem Wein das Zusammenspiel von feinem Holz- und Vanillearomen mit der Frucht und Mineralität. Ein Aromenfestspiel!

Sauvignon Blanc 500 - 2011, Von Winning, (C) Stephan Nied

Sauvignon Blanc 500 – 2011, Von Winning, (C) Stephan Nied

2012 Sauvignon Blanc 500, 38 €
Der Signatur-Sauvignon des Hauses, vielfach ausgezeichnet. Katharina assoziierte mit: Bienenstich. Das übernehme ich an dieser Stelle, denn treffender kann man ihn nicht beschreiben. Ein wunderbarer Wein mit viel Dichte und Komplexität.

Pinot Noir I - 2011, Von Winning, (C) Stephan Nied

Pinot Noir I – 2011, Von Winning, (C) Stephan Nied

2011 Pinot Noir I, 36 €
Von kleinbeerigen Pinot Noir. Rubinrot mit satter, würziger Beerenfrucht, fein und elegant, braucht noch Zeit um sein Potential zu entfalten.

Pinot Noir - Violette - 2012, Von winning, (C) Stephan Nied

Pinot Noir – Violette – 2012, Von winning, (C) Stephan Nied

2012 Pinot Noir Violette, 49 €
Die Trauben für diesen Spätburgunder stammen aus einer Rebanlage mit Dichtbepflanzung. Der Wein reifte für 12 Monate zu 100% in neuen Barriques. Ein klassischer Spätburgunder mit Finesse, schönes tiefes Rubinrot im Glas, An der Nase rauchige Noten, im Mund viel rote Beerenfrucht und eine feine Toastnote. Wie der Pinot Noir I braucht auch der Violette noch viel Zeit, um sich voll zu entfalten.

www.von-winning.de

Wieder ein besonderer Abend im Kreise netter Weinfreunde! Danke Katharina für die tolle Führung und Verkostung!

Bisherige monatliche Weinproben der Neustadter Weinfreunde:

Rebenhof Kappner
Sektgut Andrés & Mugler

Weingut Christmann
Oliver Zeter
Weingut Weik in Mussbach (Bericht fehlt)
Weingut Bergdolt-Reif & Nett in Duttweiler
Weingut Johann F. Ohler in Gimmeldingen (Bericht fehlt)
Weingut Leonhard Zeter in Diedesfeld

 

Am 17.4.2014 – also vor genau einem Jahr, besuchten wir gemeinsam mit schwedischen Bloggern und #winelover s das Weingut von Winning. Sie waren begeistert von Weingut und Weinen und haben vielfach darüber in den diversen sozialen Medien berichtet. Unter  #pfalz14 könnt ihr nachsehen, was wir mit ihnen unternommen haben. 

 

 

 

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