veranstaltungen

Tipp! Lagenkostbar in Forst

By Heike Larsson und Stephan Nied:

90 Ausgewählte Weine
40 Meter Lagenkostbar
20 Jahre Lagenkostbar
10 Spitzenwinzer
8 Lagen
3 Tage

So lässt sich die alljährliche Verkostung, die in den Forster Weinbergen stattfindet, kurz zusammenfassen. Zwischen den Nummern und Zeilen liegen jedoch Welten. Welten von Aromen und Weinstilen, Bodentypen und Kleinklimaten. Man muss es selbst erleben, um den wirklichen Umfang und die Vielschichtigkeit zu erfassen.

Trotz Regen gut besucht

Trotz Regen gut besucht

Ausschank nach Weinlagen sortiert

Ausschank nach Weinlagen sortiert

Kirchenstück...

Kirchenstück…

Aufgebaut ist die Lagenkostbar tatsächlich nach Weinlagen und nicht nach Weinbetrieben. An jeder Station steht jeweils ein Winzer und schenkt die Weine einer Lage aus, auch die der Kollegen. Alleine das Zusammenwirken der ortsansässigen Winzerschaft ist beeindruckend. Forst hat schon lange verstanden, wie Kooperation funktioniert.

Dass die Forster Weinlagen weltberühmt sind, ist sicherlich jedem, der hier mitliest, bekannt. Die Veranstaltung bietet eine sehr gute Übersicht, um die einzelnen Lagen kennenzulernen:

  • Stift, 56 ha: Der Name wird auf das St. Guido-Stift aus Speyer (1231) zurückgeführt. Boden: lehmiger Sand und sandiger Lehm. Weine von leichterem Körper, duftig, blumig.
  • Elster, 8 ha: Alter Besiedlungsname. Boden: Buntsandsteingeröll und toniger Sand. Fruchtige Weine mit harmonisch runder Säure.
  • Musenhang, 8,6 ha: Name von ‚Musehelde‘ (Mäushöhle Deidesheim). Lehmiger Sand und Kalksteingeröll. Direkt am Waldrand, hohe Temperaturschwankungen, die in lange Reifephasen resultieren. Schlanke Weine, mineralisch, rassig, extraktreich.
  • Ungeheuer, 29 ha: Von ‚Ungehuwer‘  (1460). Buntsandstein, Kalksandsteingeröll, Basalt. Von Westwinden geschützt, reifen die Trauben hier früher. Feinfruchtige, mineralische Weine mit Fülle.
  • Pechstein, 15 ha: Basaltgeprägter Boden, sehr mineralische Weine mit Feuersteinnote.
  • Freundstück, 3,5 ha: Von ‚Frienacker‘ (1460). Buntsandsteingeröll, teilweise Kalkssteingeröll. Besonders Kleinklima sorgt für sehr gute Traubenreife. Mineralische Weine mit guter Struktur.
  • Jesuitengarten, 7 ha: Früher im Besitz von Jesuitenklostern. Sandsteingeröll, sandiger Lehm, Basalt. Feine, elegante Rieslinge mit gutem Frucht-/Säurespiel.
  • Kirchenstück, 3,67 ha: Umgeben von Sandsteinmauern und in unmittelbarer Ortsnähe gelegen, herrscht hier ein ganz besonderes Kleinklima vor. Buntsandsteingeröll mit Kalksteingeröll, sandigem Lehm und Basalt. Sehr vielschichtige Weine, saftig, mineralisch und langlebig.

Unser Fazit?

Als erstes ist zu sagen, dass uns vereinzelte 13er Weine immer spontan besser gefielen, als die 14er. Man ist geneigt zu wünschen, dass sich diese Weinprobe nicht auf die ganz jungen Weine beziehen sollte. Aber wir verstehen natürlich, dass die meisten Besucher eben genau die probieren möchten. Gerade diese Rieslinge von solchen Lagen brauchen jedoch etwas Zeit, um ihren wahren Charakter zu zeigen.

Lage und Herkunft ist eine Sache. Aber die Handschrift des Winzers steht noch darüber.

Was uns schon länger durch unsere diversen Proben aufgefallen ist, wurde hier noch einmal sehr deutlich bestätigt. Die Lagen zu er-schmecken funktioniert in erster Linie unter Berücksichtigung der einzelnen Ausbaustile. Pechstein mit mehr Restsüße, abgepufferter Säure und fruchtbetonenden Zuchthefen z.B. schmeckt nicht mehr typisch nach Pechstein. Wo Pechstein draufsteht, sollte der Wein aber halt bitte auch nach Pechstein schmecken.

Je mehr Weine wir probieren, desto mehr bevorzugen wir den puristischen Stil, wenn es darum gehen soll, Herkunft zuzuordnen. Generell gesehen, kommen uns ‚Lagenunterschiede‘ manchmal schon als Haarspalterei und als bloße Marketingargumente vor. Oft erschließen sich die ‚Nuancen‘ leider nicht dem gewöhnlichen Weintrinker. Und wir bemühen uns…. manchmal bis hin zu Spannungskopfschmerzen.

Jedoch!!! Wer es versteht, den Wein ehrlich zu belassen, ihm ein echtes Gesicht zu geben, das ruhig kantig sein darf und nicht runder gemacht wird, als es ist – wer also auf Botox verzichtet – der kann uns Weintrinkern wahre Momente der Lust und Freude bescheren.

Unsere Favoriten waren ganz eindeutig als neue Generation: Markus Spindler vom Weingut Heinrich Spindler und das Geschwisterpaar Yvonne und Martin Lukas vom Margarethenhof. Man muss auch die Preis-Leistungsfrage bei diesen Weinen einfach immer mit einbeziehen.

2013 Riesling Ungeuer, Heinrich Spindler

2013 Riesling Ungeuer, Heinrich Spindler

Spindler: Bei Markus finden wir klare Weine, die extraktreich sind, Präzision zeigen und auch mal Kante. Das 2013er Ungeheuer hat uns sehr gut gefallen, mit seinen reifen Pfirsichtönen, der kräuterig-würzigen Note und Mineralität. Auch der 2013er Freundstück, mit seiner feinen eingebunden Säure, saftig, mineralisch und extraktreich mit langem Nachhall hat uns überzeugt.

2014 Pechstein, Margarethrnhof

2014 Pechstein, Margarethrnhof

Margarethenhof: 2014 Pechstein ganz klar unser Favorit von allen gezeigten 14ern Pechstein. Hier bestätigt sich, was wir schon in 12 und 13 schmeckten, ein ‚Pechstein für Arme‘, da nur 8 €, der aber die Typizität der Lage mit einer ausgeprägten Mineralität, fast rauchigen Note, reflektiert.

2013 Riesling Freundstück, Mosbacher

2013 Riesling Freundstück, Mosbacher

2013 Riesling Ungeheuer, Mosbacher

2013 Riesling Ungeheuer, Mosbacher

Von den Traditionsweingütern überzeugt Mosbacher wieder mit dem 2013er Freundstück, ein eleganter, filigraner Wein, saftig und mit gutem Nachhall. Der schmeckt uns einfach nur gut… Auch hier das 2013er Ungeheuer GG ein wahrlich schöner Wein. Nicht knochentrocken, aber in der Gesamtheit überzeugend und mit elegantem Ausdruck. Gleichzeitig das, was man wohl als guten Trinkfluss bezeichnet: man trinkt und genießt ihn einfach… Es passt eben.

Weitere Highlights:

Aus der Lage „Stift“ gefielen der PURIST von Acham-Magin und der Mosbacher Stift, beide Weine sind eher leicht und zart, fruchtig, schlank und erfrischend.

2014 Scheurebe Alte Reben, Acham Magin

2014 Scheurebe Alte Reben, Acham Magin

Von Acham-Magin überzeugten auch der 14er SOMMERTRAUM aus dem Musenhang, mit seiner knackigen Säure und fruchtigem Körper, ganz großes Kino ist die 14er Scheurebe trocken >Alte Reben< mit weichen grünen Aromen, die noch von etwas Stachelbeere und dezenter Maracuja Frucht begleitet werden. Alles sehr harmonisch mit gelungenen Säurespiel untermalt. Ein idealer Essensbegleiter, da er zu vielen Speisen passt.

Neben den Rieslingweinen, gab es auch eine große Auswahl an anderen Rebsorten zu verkosten. Aus der Rebsortenauswahl fielen der Weissburgunder von Heinrich Spindler und der schmelzige Grauburgunder vom Magarethenhof auf. Ein Highlight war auch der >Troispinots< von Mosbacher. Ein Wein mit schönen Toastaromen, viel gelber Frucht, mit Schmelz und einer guten Länge.

2014 Sauvignon Blanc Fumé, Mosbacher

2014 Sauvignon Blanc Fumé, Mosbacher

Bei den Sauvignon Blancs ohne Holzausbau war der Wein von Heinrich Spindler ganz weit vorne, grasige Nase mit grünem Paprika und einer leichten Note nach gelben Früchten, frisch mit viel Druck am Glas macht solch ein Sauvignon Blanc ziemlich viel Spass. Perfekt auch der Sauvignon Blanc 2014 >Fume< aus dem Haus Mosbacher, mit seiner perfekt eingebundenen Holzaromatik, feinem Toastgeruch, der mit einer harmonischen buttriger Note untermalt wird. Am Gaumen schmelzig und fruchtig, der Wein klingt sehr lange und harmonisch auf der Zunge nach. Wie beim >Troispinots< zeigt das Weingut Mosbacher hier den perfekten Umgang mit dem kleinen Eichenfass.

Wein ist Geschmacksache, das hier sind unsere Favoriten. Für euch sind es vielleicht ganz andere Weine der gebotenen Auswahl. Also bleibt nur: nächstes Jahr bei der Lagenkostbar selbst dabei zu sein. Am besten schon jetzt im Eventkalender vormerken. Viel Spaß!

Lagenkostbar im Zelt © Stephan Nied

Lagenkostbar im Zelt, mitten in den Weinbergen © Stephan Nied

http://www.lagenkostbar.de

Bisherige Lagenverkostungen, die wir vom pfalzweinproben-Blog gemacht haben:
https://pfalzweinproben.wordpress.com/2015/01/20/pechstein-eine-lagenverkostung/
https://pfalzweinproben.wordpress.com/2013/06/25/wie-schmeckt-der-olberg-eine-weinprobe/

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