weingüter

NWF bei Odinstal

Von Heike Larsson und Stephan Nied

Unsere NWF Weinprobe Mai fand im Weingut Odinstal statt

Nach nur 3 h Schlaf und einem äußerst hektischen Tag, wirkt das Schaukeln während der Anfahrt auf Schotterwegen durch Wald und Wiese zum hoch über Wachenheim gelegenen Weingut kontraproduktiv. Es stellt sich der innige Wunsch, ach was, das bloße Verlangen auf ein Glas Sekt ein…. Kurze Begrüßung auf dem Parkplatz und wir laufen in den Innenhof des wunderschönen Anwesens, das so richtig nach meinem Geschmack gestaltet ist. Und da steht sie schon, die Magnum Riesling Brut Nature. Der erste Schluck pure Reanimation. Das Leben kehrt zurück in den müden Körper. Ein feiner Sekt, mit feinem Mousseux, mineralisch, an der Nase schöne Hefetöne die nach und nach in charmante Brioche-Noten übergehen.  Neben den anregenden Zitrus- und Limettennoten, Aromen von Pfirsich und wilden Kräutern. Die cremige Frucht bleibt in Kombination mit einer frischen und salzigen Note sehr lange am Gaumen.

Dann beginnt der Rundgang, an den Weinbergen vorbei, über die Kräuterwiese zum ehemaligen Basaltsteinbruch. Natur pur. Alle unsere Sinne werden angesprochen, der wohlige Kräuterduft der Wiesen, der imponierende Ausblick über die Rheinebene, wir spüren die Freiheit, die man hier oben hat. Alle kommen langsam von ihrem Arbeitstag herunter und lassen sich in eine andere Welt führen. In die des Andreas Schumann, Betriebsleiter im Weingut Odinstal. 

WOW… Der Betriff Biodynamisch hat eine neue Tiefe bekommen. Natürlich haben wir ihn schon oft gehört und es waren gewiss nicht unsere ersten Weine aus biodynamischem Anbau, aber die Ausführungen zum Thema waren ungewohnt umfassend und detailliert. Für Andreas Schumann ist der Verzicht auf mineralischen Dünger und Chemiekeulen im Weinberg nur ein Bruchteil des Gesamtbildes. Biodynamisch geht hier sehr viel weiter und das Bestreben, Wein mit der Natur und nicht gegen sie zu machen, ist omnipräsent. Selbst als Laie fühlt man während des Besuchs, dass es sich um viel mehr als um eine Marketingidee oder eine Art des Weinbaus handelt – der biodynamische Gedanke wird hier gelebt. Baldrian um Wärmeprozesse anzuregen, bei Frostgefahr, kurz vor der Blüte. Eichenrindentee zur Förderung der Kalziumbildung, beeinflusst die Festigkeit der Beerenhaut. Brennnesseltee gegen falschen Mehltau. Löwenzahntee für die Lichteffizienz. Schafgarbe für Standfestigkeit. Und alles in homöopathischen Dosen, von 20 l Tee per Hektar ist die Rede. Aber auch Bienenvölker, Rinder, Vögel und Insekten gehören zur Ganzheit, die für das Weingut am Ende den Unterschied ausmacht. Die berühmten Kuhhörner mit dem Kuhmist finden Erwähnung, dabei erfahren wir jedoch das erste Mal, dass Kuhhörner sich warm anfühlen, wenn man sie am Tier anfasst und wie wichtig es ist, sie unmittelbar zu verwenden, dass es ‚immer im Lebendigen bleiben‘ soll und nicht nach monatelanger Liegezeit in Keller oder Lager. Dass man fernab der anderen Weinberge liegt, ist natürlich ein Vorteil, hier fährt kein Nachbar mit der Giftspritze durch die Rebzeilen nebenan. Immer ein Problem da, wo konventioneller Weinbau auf biologischen trifft. Bedingt durch die Höhe, reifen die Trauben hier mindestens 2 Wochen später heran als weiter unten in den Weinbergen. Zu hohe Säuregehalte sind trotz der kühleren Bedingungen kein Problem. 

Andreas muss sich selbst immer wieder unterbrechen. Er würde uns am liebsten noch viel mehr erzählen, aber die Zeit läuft uns davon, es wollen ja auch Weine probiert werden.

Auf dem Weg zum Keller kommen wir an den eingegrabenen Amphoren vorbei. Die Amphoren sind in der Erde vergraben, damit durch die Poren der Amphore kaum Sauerstoff in den Wein eindringt, es findet lediglich eine Mikrooxidation statt, die für die Reifung des Weines positiv ist. Das Eingraben der Amphoren ist auch eine einfache Methode den Wein unter annähernd konstanten Temperaturen zu vergären. Der Ausbau in der Tonamphore erfolgt mit einem Teil der Maische, zusätzlich werden auch noch gesunde, hochreife Ganztrauben in die Tonamphore gegeben. Auf diese Weise werden zusätzliche Tannine und Polyphenole an den Wein abgegeben, der dadurch sehr lang und körperreich wird.

Im Keller probieren wir einen Auxerrois aus dem Tank, in dem noch die Trauben mit im Wein liegen. Sehr intensiver Geschmack, viel Farbe im Glas.

Dann folgt die Verkostung. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Odinstal Weine Zeit brauchen. Jung getrunken, brauchen Sie viel Luft, am besten durch doppelte Dekantierung.

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© Stephan Nied

2012 Odinstal Gewürztraminer 350 N.N., schlank und fein, elegant, floral und dezent kräutrig. Die 13 % abv merkt man ihm nicht direkt an. Ein schöner Begleiter zur Vorspeise, das war die Motivation für den Wein und wir können es uns vorstellen.

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© Stephan Nied

2013 Odinstal Silvaner 350 N.N. Die Trauben wurden am 14. November geerntet, die Säure liegt bei 5 g. Der Wein ist schlank mit viel Ausdruck, erinnert an nussige Aromen und endet mit einem leichten Bitterton.

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© Stephan Nied

2012 Odinstal Silvaner Amphore. Balance, Balance, Balance. Wunderbar. Zarte Noten von Heu, Honig, Anis und Wiesenblüten. Dieser Wein darf nach dem Weinrecht nicht als Qualitätswein auf den Markt gebracht werden, sondern als Landwein. Von diesem Wein wurden nur 387 Flaschen 0,75l und 12 Magnum Flaschen abgefüllt.

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© Stephan Nied

2013 Odinstal Riesling Muschelkalk. Geprägt von einer packenden Mineralität und köstlicher Saftigkeit, kühl, mit feiner, eingebundener lebendiger Säure sowie Finesse und harmonische Fruchtnoten.

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© Stephan Nied

2012 Odinstal Riesling Buntsandstein. Der fruchtigste von den 3 Terroirweinen. Frisch, viel Zitrusfrucht mit grünem Apfel, kristallklar und sehr trocken, im Nachhall eine salzige Note und eine lebendige Säure.

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© Stephan Nied

2013 Odinstal Riesling Basalt. Ein filigranes Bouquet, etwas exotische Frucht gepaart mit Nektarinenduft, zart rauchig. Am Gaumen citrusfrisch mit feiner Säure. Im Nachklang leicht salzig.

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© Stephan Nied

2013 Odinstal Riesling Beerenauslese. Perfekte Balance zwischen Süße und der feinen Säure. Gar nicht aufdringlich und keinesfalls klebrig süß. Ein Gedicht. 5 *

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© Stephan Nied

2008 Odinstal Riesling 350 N.N. Reparaturwein nach dem Süßen. Andreas mag keine Probe mit einem süßen Wein abschließen. Uns ist es recht. Odinstal gereift ist schön und alle freuen sich über diesen letzten Wein des Tages.

Es ist Zeit zu gehen. Leider. Man könnte noch lange sitzen bleiben und den Abend weiter wirken lassen. Alle sind wie im Bann, auch am nächsten Tag tauschen wir uns untereinander aus und sind ziemlich der gleichen Meinung: eine der eindrucksvollsten Verkostungen, die wir bisher im Rahmen der Neustadter Weinfreunde erlebt haben… Ganz, ganz herzlichen Dank dafür!

PS: Ob Tal und Weingut nach dem nordischen Göttervater Odin benannt ist, habe ich vergessen zu fragen. Ist auch egal, die Götter müssen jedenfalls genauso angetan sein, wie wir.

http://www.odinstal.de

Bisherige monatliche Weinproben der Neustadter Weinfreunde:

Von Winning
Rebenhof Kappner
Sektgut Andrés & Mugler
Weingut Christmann
Oliver Zeter
Weingut Weik in Mussbach (Bericht fehlt)
Weingut Bergdolt-Reif & Nett in Duttweiler
Weingut Johann F. Ohler in Gimmeldingen (Bericht fehlt)
Weingut Leonhard Zeter in Diedesfeld

 

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