weinempfehlungen

Viognier-Probe

von Meinolf Sachse, Restaurantleiter zur Kanne, Deidesheim

Am Montag-Abend, 12.10.15 trafen sich 11 Weinfreunde zum Thema Viognier. Es wurden insgesamt 20 Weine und 1 Sekt aus dieser Edelrebsorte verkostet, die an der nördlichen Rhone in der Region Condrieu ihre Heimat hat.

Darunter waren natürlich 3 Franzosen, alle von der Rhone, 4 spanische Vertreter, je ein Italiener und Israeli und 11 pfälzer Viogniers. Alle Weine wurden blind verkostet und bewegten sich zwischen den Jahrgängen 2014 bis 2011. Preislich war von 7,50 € bis 35 € alles dabei.

Locker fing es an: die ersten zwei Weine, beides Pfälzer, gaben einen gesunden Einstieg, jedoch fehlte Ihnen ein wenig die Substanz für mehr Ausdruck. Dies änderte sich ab Wein Nummer 4! Blind verkostet wurde dieser Wein von fast allen auf Frankreich gesetzt, inklusive des Gastgebers. Ein Irrtum, wie sich beim aufdecken der Flasche heraus stellte. Eine der Überraschungen des Abends war damit aus Versehen etwas früher an der Reihe: 2013 Viognier von Jürgen Krebs. Was für ein Typ! Winzer wie Wein! Der Wein zeigte deutlich präsente Aromen des Holzfassausbaus. Jedoch alles sehr elegant in einen üppigen, fast fleischigen Viognier mit toller Frucht- und Blütenaromatik verpackt. Das erste Ausrufezeichen des Abends!

Dann ging es weiter mit vielen spannenden, jedoch auch schwierigen Typen dieser komplizierten Rebsorte. Nicht jeder Wein konnte die Erwartungen erfüllen. Einige waren zu alkoholisch, Andere wirkten fast etwas plump. Bei den meisten Pfälzern wird es sich sicher in den nächsten Jahren zeigen, wie sich die ausgewählten Weine entwickeln werden. Ich blicke optimistisch in die Zukunft und freue mich drauf! Was bei diesen Weinen noch nicht ganz klar war, aber später deutlich wurde, war das entscheidende Thema Balance!

Es gibt hierzu einige Beispiele, die sich aktuell in einer tollen Balance befinden:
2012 Viognier, Vallegarcia,
2011 Viognier, Omina Romana,
2011 Condrieu „La Combe de Malleval“, Ogier.

On Top gab es noch zwei pfälzer Premieren, die es so noch nicht im Handel gibt, welche den Abend insgesamt gerockt haben:
2014 Viognier Reserve, Jürgen Krebs aus Freinsheim
2014 Viognier „Zafrán“, Oliver Zeter, NW-Diedesfeld
Hier wurde der Stil der Rebsorte für den ersten klassischen Ansatz ein wenig verändert, weil beide Weine auf der Maische vergoren wurden. Hinzu kommt bei beiden Weinen der Holzfassausbau. Beides also Weine, die sehr stark für sich standen, aber alle durch ihre kernige, kantige Struktur verblüfft hat, „So geht das also auch,“ Hier wurde vielleicht eine kleine Pionier-Arbeit im Bereich deutscher Spitzen-Viognier geleistet. Das wird sich die nächsten Jahre zeigen. Auf alle Fälle waren es die Sieger des Abends, und insgesamt der Winzer Jürgen Krebs aus Freinsheim. Eigener Stil, elegant, tief, lang, immer straff, nie langweilig, und vor allem im positiven Sinne süchtig machend auf das nächste Glas.

Von der Probe lässt sich insgesamt festhalten, dass es, wie bei wohl allen Rebsorten, unterschiedliche Stile gibt. Von leicht, entspannt und süffig, bis hin zu tiefen, opulenten, aromatischen Weinen mit Holzausbau. Es hat sich jedoch gezeigt, dass in diesem Falle die Weine ab einem gewissen Preisniveau von ca. 16€ / Flasche nach oben hin wesentlich mehr Spannung und Tiefe besitzen. Eine Preisliga, die sicher nicht etwas für jeden ist. Aber so ist es auch mit dieser Rebsorte. Weine für Liebhaber eigener Stile und Aromen, sowie Weine für eine dichte Aromatik von Gerichten, wie zum Beispiel Sellerie mit Artischocken, Kabeljau mit roter Bete und Verveine, oder ein weißes Coq au Vin.

Genuss pur und jede Menge eigenständiger Spass im Glas!

1 reply »

  1. Vielen Dank, lieber Meinolf, für eine spannende Weinprobe und einen herrlichen Abend in netter Runde. Es war in der Tat sehr interessant! Ich könnte JETZT noch schwören, der Krebs war umgefüllt :). Total gut hat mir auch der Israeli gefallen, ein fast ’schroffer‘ Typ! Mein persönliches Highlight des Abends war der Zafrán. Soviel Curry und Würze, Orange… Klasse.

    Freue mich schon auf den nächsten Themenabend! Cheers & danke für deinen Gastbeitrag!

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