weingüter

NWf bei von Buhl

Auch die Dezember-Probe führte uns in eines der wohl berühmtesten Weingüter der Mittelhaardt und Pfalz und damit haben wir die ‚3 Bs‘ nacheinander besucht. Am Ende des Artikels folgt die Liste aller bisherigen NWf Monats-Proben zum Nachlesen,  aber erst mehr zu dieser aktuellen Verkostung:

Durch den Abend führte Klaus Küsters, verantwortlich für Verkauf und Vinothek. Die Begrüßung fand in der neu eröffneten Vinothek statt, einem puristisch gestalteten Raum ohne Schnörkel und Schnick-Schnack, mit Materialien, die für sich sprechen:

Sandsteinwände, Basaltplatten und Kalksteinverkleidungen fassen die maßgeblichen Bodenarten der wichtigsten Weinlagen zusammen. Eichenholz und Stahlveredlungen bringen den Übergang zu den in Holzfässern und Stahltanks ausgebauten Weinen. Durchdacht. Finesse: Ausschnitte in der Thekenplatte als integrierte Flaschenhalter. Extra Finesse: angepasste Holzeinlagen, die anstatt der Flaschen bei Bedarf eingelegt werden, wenn die Platte als eine glatte Fläche benutzt werden soll.

Von hier aus ging es dann in den Jahrhunderte alten Gewölbekeller. Kontraste. Vor allem war hier die Luft weniger trocken, denn nun gab es den ersten (Schaum-)Wein ins Glas. Den gerade neu veröffentlichten

2014er Reichsrat von Buhl Reserve brut (16,90 €)
Wieder diese sehr feine Perlage, eine sanfte Cremigkeit, gleichzeitig frisch und erfrischend. 80% Weissburgunder und 20% Chardonnay, gelbe Frucht, zarte Nussigkeit, etwas Brioche. Rund und schön.

Während wir uns am Sekt erfreuten, erfuhren wir die lange Historie des Weingutes in kurzen Zügen – genau wohldosiert. Wie der Bubbel eben. Gegründet wurde von Buhl in 1849, durch die Erbteilung aus dem Jordan’schen Weingut (wir berichteten bereits bei der Von Winning Probe davon). Glückliche Heirat-Gegebenheiten taten das ihre für den Erfolg und 20 Jahre nach der Gründung des Weingutes sollte die Einweihung des Suezkanals mit einem von Buhl Riesling begossen werden. Damals gehörten diese zu den teuersten Weinen der Welt.

Die Erfolgsstory setzt sich (mit Höhen und Tiefen) bis heute fort. Auch, wenn inzwischen vieles ganz anders ist als damals, gehören noch heute die besten Parzellen der berühmtesten Lagen zu den von Buhl’schen 52 ha Gesamt-Rebfläche. So war schon immer und ist noch heute, die Urgestein Gewanne, das Kernstück der heutigen Grossen Lage mit demselben Namen, im Besitz des Weingutes. Ein ungeheuer echtes Ungeheuer also.

1952 verstarb die Letzte der Dynastie von Buhl und das Weingut ging über die Zwischenstationen Guttenberg und Tokuoka in 2005 an Familie Niederberger über.

Wir waren inzwischen übrigens beim 2. Wein des  Abends angekommen:

2013er SUEZ Spätburgunder trocken (24 €)
Florale Noten, würzig, erdig, Kirsche. Sanfte Tannine und eine lebendige, wohl integrierte Säure geben die Struktur, die sich gerne trinken lässt.

Seit 2013 besteht das Führungsteam aus besten Leuten der Branche, mit dem Weinexperten Richard Grosche, früher Meininger & Mundus Vini,  und Mathieu Kauffmann, der von Bollinger in die Pfalz kam, Champagner-Flair und vor allen Dingen -Know-how mitbringt. Gemeinsam mit langjährigen und neuen Mitarbeitern prägen Sie den neuen Stil des traditionellen Hauses.

Mittlerweile waren wir nach dem Gang durch den Holzfasskeller oben im historischen Saal angelangt. Tapeten, Böden, Geruch – das Bild von Damen in langen, raschelnden Kleidern, mit Hütchen und Riechsalz vor meinem geistigen Auge. Eine Zeitreise… und Weinprobe:

2014er Deidesheimer Riesling Ortswein trocken (10 €)
Gelbfruchtig, trocken (0,2 g RZ), saftig. Die Trauben stammen vom Deidesheimer Herrgottsacker, der Wein ist aber nicht als Lagenwein, sondern als Ortswein deklariert. Auffallend extraktreich. Wieder eine Bestätigung für mich: Ortsweine sind ihr Geld wert.

2013er Deidesheimer Riesling Ortswein trocken (10 €)
Im Vergleich zum 14er etwas abgerundeter. Zugänglicher für manche.

2014er Riesling SUEZ trocken (16,90 €)
Schlank. Würzig, floral, mineralisch, kühl. Trocken. Mit Trauben vom Forster Pechstein, Freundstück und Deidesheimer Kieselberg. Ausgebaut im Edelstahl und einem kleinen Anteil in Tonneaux.

Auffällig ist, dass die Weine trotz minimaler Restzuckerwerte und dazu verhältnismäßig hohen Säurewerten, balanciert schmecken. Wer gemäß old school auf die Werte 2 g / 9,2 g schaut – der wundert sich. Mathieu Kauffmanns Devise sind jedoch nicht die Ziffern, sondern der Geschmack. Und da scheint er völlig richtig zu liegen. Denn Geschmack ist da, viel und gut. Die Frage, ob dies den hohen Extraktwerten durch niedrige Erträge geschuldet sei, beantwortete Klaus Küsters mit „ja, plus späte Schwefelzugabe und langes Hefelager“. Alles nichts Unbekanntes, das haben wir nun schon oft gehört. Und doch zeigt sich bei von Buhl Weinen der ganz eigene, puristische Stil.

2013er Jesuitengarten Forst Riesling Grosse Lage trocken (30 €)
Reife gelbe Fruchtnoten, mineralisch. Dicht. Mineralisch. Kräutrig-würzig. Lang.

2014er Ungeheuer Forst Riesling Grosse Lage trocken (30 €)
Vielschichtig, würzig, floral, feinfruchtig-Pfirsich, Zitrus und mineralisch. Lang. Noch knackig jung und doch bereits jetzt zugänglich, mit viel Reife-Potential. Einer, den man hinlegen, mit dem man gemeinsam alt werden kann.

2013er Ungeheuer Forst Riesling Grosse Lage trocken (30 €)
Im Vergleich etwas abgerundeter, saftig, komplex, würzig, fruchtig, mineralisch. Lang. Und auch immer noch ganz jung…. den kann man gleich dazu legen.

2012er Kirchenstück Forst Riesling Grosse Lage trocken 
Zitrus, Pfirsich, erdig-würzig, kräutrig, tief, lang und elegant.

2013er Kirchenstück Forst Riesling Auslese Grosse Lage (29 € / 0,375l)
Keine Notizen mehr… Wunderbar. Reicht das?

Wieder bedanken wir uns für eine schöne Probe!

http://www.von-buhl.de

Bisherige monatliche Weinproben der Neustadter Weinfreunde:

14. Bürklin-Wolf
13. Bassermann-Jordan
12. Schwarztrauber
11. Weegmüller
10. Odinstal
9. Weingut von Winning
8. Rebenhof Kappner
7. Sektgut Andrés & Mugler
6. Weingut Christmann
5. Oliver Zeter
4. Weingut Weik in Mussbach
3. Weingut Bergdolt-Reif & Nett in Duttweiler
2. Weingut Johann F. Ohler
1. Weingut Leonhard Zeter in Diedesfeld

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