weinempfehlungen

2004 – Jetzt trinken!

Text und Fotos: Meinolf Sachse

Mitte Januar trafen sich auf zwei Abende verteilt insgesamt 25 Wein- und Genussfreunde zu einem sehr spannenden Wein-Thema:

Jahrgang 2004
Ein in Deutschland eher mittelmäßig bis gut eingestufter Jahrgang war zu dieser Zeit zwischen den „Jahrhundert-Jahrgängen“ 2003 & 2005 eigentlich nicht so beachtlich. Es wurde nicht angenommen, dass die Weine aus 2004 solch eine Reife gut überstehen. Was allen Weinen sehr gut stand, war die frische Säure. Viele Weine, besonders die Rieslinge zeigten sich in einem perfekten Stadium aus Frische, Reife und Trinkigkeit.

Sämtliche Weine wurden blind verkostet. Es wurden viele deutsche Weine verkostet, vorrangig aus der Pfalz. Hinzu kamen auch Weine aus Rheinhessen, der Mosel, Rheingau, Österreich, Spanien und Frankreich.

Kommen wir zu den Highlights unter den Highlights:
Am ersten Abend ging es mit dem ersten Wein nach dem Aperitif und einem sehr, sehr guten spanischen Cava sehr imposant los:

2004 Weißburgunder Mandelberg GG trocken, Bergdolt
Saftig frisch, Williamsbirne, Aprikose, feine Reife und eine subtile Eleganz. Die Messlatte für den Abend war damit hoch gelegt!

Danach gab es unter den „Nicht-Rieslingen“ mit dem 2004 Viognier trocken von Kuhn eine faustdicke Überraschung. Blumig, saftig, zart. Herrlicher Stoff!

Blockbuster unter den Rieslingen waren 4 Weine, alle hintereinander:
2004 Kieselberg Spätlese trocken, Bassermann-Jordan
2004 Jesuitengarten Spätlese trocken, Bassermann-Jordan
2004 Mandelgarten GG trocken, Christmann
2004 Idig GG trocken, Christmann
Allein beim schreiben bekomme ich wieder den Geschmack auf die Zunge.
Beide Bassermänner zeigten sich in dieser perfekten Balance von saftigen Zitrusfrüchten, gepaart mit frischer präsenter Säure und einem schier endlosen Trinkfluss. Beide eher in die schlanke Stilistik einzuordnen. Die Jugendlichen.
Die Christmänner waren kurz gesagt anders saugut! Beide waren wesentlich fülliger, reifer, erhabener. Volle Frucht, viel Druck am Gaumen mit mehr Apfel und Birne. Dazu diese feine Extraktsüße mit vibrierender Säure. Einfach herrlich. Die Erwachsenen.

Bei den Roten hatten wir an beiden Abenden 2004 Ch. Chasse-Spleen, Moulis en Medoc, Bordeaux. Toller Vertreter des auch in Bordeaux eher schwierigen Jahrgangs. Ein sehr eleganter Vertreter mit tiefer subtiler Frucht, Tabak und Grafit.
Aus der Pfalz wurde 2004 Frühburgunder Kirschgarten trocken von Kuhn angestellt. Eine für mich sehr dominante Säure gab dem Wein eine lebendige Frische, gepaart mit erdigen Noten. Feiner Wein. Wer noch was davon hat kann ihm aber auch noch ein, zwei Jahre geben.

Am zweiten Abend ging es mit dem Sekt gleich mal richtig los:
2004 Mon Rose extra brut, Raumland, Rheinhessen. Alle haben diesen Super-Sekt in die Champagne verordnet. Wahnsinnig gut strukturiert, dicht und saftig. Schreit nach Essen und dem nächsten Schluck!

Nach ein paar weißen Burgundern aus der Philippi-Serie vom Weingut Köhler-Ruprecht, die man entweder mag, oder eben nicht, ging es mit den Rieslingen los.

Eine tolle Überraschung lieferte das Weingut Margarethenhof aus Forst ab:
2004 Ungeheuer Spätlese trocken
2004 Pechstein Spätlese trocken
Die Lagentypizität wurde damals schon sehr gut heraus gearbeitet. Das Weingut werde ich mir jetzt mal genauer ansehen.

Dann folgte ein Block, der es in sich hatte:
2004 Kalkofen G.C. trocken, Bürklin-Wolf – reif, saftig, schmelzig, gross! –
2004 Kirchenstück GG trocken, Künstler, Rheingau – elegante Reife, spritzig, toll! –
2004 Pechstein GG trocken, von Buhl – jung, dicht, mit Biss da geht noch was! –
2004 Kirchenstück GG trocken, von Buhl . reif, schwierig, in der Abfolge leider der Verlierer –
Wann gibt es sowas schon mal?

Als Reparaturwein wurde danach aus Versehen 2004 Wehlener Sonnenuhr Spätlese fruchtsüss von J.J. Prüm ausgeschenkt. Was will man mehr? Frisch, leicht, am Gaumen tänzelnd. Oder einfach lecker!

Nach diesen tollen Rieslingen ging es an die Rotweine.
Der Einstieg war 2004 Pinot Noir „Philippi RR“ von Koehler-Ruprecht. Ein Brett von Wein. Tief, rauchig, immer noch eine präsente Säure mit viel Frische und Druck.

Danach hatte es der „kleine“ 2004 Pinot Noir „Philippi“ einfach schwer. Obwohl gar nicht schlecht, konnte er das Niveau verständlicherweise nicht halten. Nichtsdestotrotz ein sehr guter Wein in einem perfekten Trink-Stadium.

Dann kam das rote Highlight der Pfalz: 2004 Cuvée X, Knipser. Zum Glück gab es davon zwei Flaschen. Sehr schön geradlinig mit einem immer noch jungen Tanningerüst zeigte deutlich, dass auch Pfälzer große Rotwein-Cuvées kreieren können. Diese klassische Bordeaux-Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc war wunderbar tief balsamisch, kräutrig, etwas Minze und Cassis. Hoher Spassfaktor!

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass 2004 aktuell ein wirklich großes Jahr ist. Gerade die Rieslinge zeigen eine unglaubliche Spannung. Wir bewegten uns jedoch auch auf einem sicherlich sehr hohen Preis-Niveau. Aber wenn zum Beispiel noch eine trockene Spätlese im eigenen Keller liegt, dann wäre momentan eine tolle Gelegenheit, diese zu öffnen und am Besten mit mindestens einem Gleichgesinnten Weinfreund zu genießen.
Also, auf in den Keller!

 

Weitere Beiträge zum Thema Pfalz-Jahrgänge hier… 

 

2 replies »

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s