weingüter

Projekt Terrassenweinbau

Text und Bilder von Melissa Bender, Weingut Bender

Ambitioniert, verrückt, genial – Terrassenweinbau am Sonnenweg

Diese 3 Worte beschreiben unser neues Projekt wohl am besten. Wir, das sind Stefan und ich (Melissa). Gemeinsam haben wir 2014 unser eigenes Weingut in Neustadt Geinsheim gegründet. Im Frühjahr letzten Jahres haben wir im Zuge unserer Hochzeitsvorbereitungen einen Tanzkurs gemacht. Dort haben wir den Sohn unseres jetzigen Verpächters kennen gelernt, Herr Gerhard Müller. Dieser hatte, wie auch sein Bruder, Vater, Opa und Uropa schon, ca. 1 ha Rebfläche am Sonnenweg bewirtschaftet. Leider musste der Winzer im Nebenerwerb, wie viele andere auch, den Weinbau am Sonnenweg aus gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen aufgeben. Umso mehr freute er sich, als wir uns dazu entschlossen haben, dort oben wieder Reben zu pflanzen.

Verrückt

„Du spinnst!“ – das war Stefans erste Reaktion als er von meiner Idee hörte.
„Von was träumst du nachts?“ – war die Aussage seiner Eltern.
„Steilhang? Am Sonnenweg? Oh….“ – kam von meinen Eltern.

Nach dem ersten Entsetzen änderten sich die Aussagen in „Bist du dir sicher?“. Ja, ich war mir sicher und damit gab es an meiner Idee nichts mehr zu rütteln. Zunächst musste ich jedoch noch meinen Mann davon überzeugen, schließlich ist der Berg alleine nicht zu bewirtschaften. Dann, ein halbes Jahr später, lenkte er ein. Hindernis Nummer 1 erfolgreich überwunden!

Ambitioniert

„Wisst ihr, was ihr euch da antut?“ – nun ja, wirklich wissen kann man es ja erst, wenn man es versucht hat! Die erste Besichtigung der Fläche ließ Schlimmes erahnen. 12 Jahre Brache ohne kulturtechnische Maßnahmen zeigten ihre volle Pracht: Brombeerhecken, Efeu und kleinere Bäume soweit das Auge reicht. Schnell war uns klar: dagegen helfen nur noch Freischneider und Kettensäge!

Doch bevor wir damit anfangen konnten, musste die bürokratische Seite erledigt werden. Landwirtschaftskammer, Naturschutzbehörde, SGD-Süd, die Stadt Neustadt und natürlich die Kommunikation mit unserem Verpächter. Des Weiteren musste ein Plan für die Bewirtschaftung her. Wie wird gerodet, der Boden bearbeitet und die Reben gepflanzt? Wie führen wir die Pflanzenschutzmaßnahmen durch? Kein Traktor, keine Maschinen, alles Handarbeit dort oben!

Der Plan steht mittlerweile – die Rodung hat begonnen. Gepflanzt werden sollen Riesling und PiWi-Rebsorten. Diese besitzen eine hohe Resistenz gegenüber den verschiedenen Pilzkrankheiten wie Echter und Falscher Mehltau, sowie Botrytis. Für uns bedeutet das: weniger Pflanzenschutzmittel ausbringen. Eine Win-Win-Situation für uns und den Naturschutz – immerhin befinden wir uns dort oben im Natur- und Vogelschutzgebiet. Eine Tröpfchenberegnung soll allzu großer Trockenheit vorbeugen – ein Zaun die Reben vor Wildschäden schützen. Weitere Ideen zur Bewirtschaftung werden noch detaillierter geplant. Gepflanzt wird auf alle Fälle im Frühjahr 2017!

Genial

Nach 2 Samstagen Rodungsarbeiten sieht man dort oben erste Erfolge. Die erste der beiden Flächen ist nun komplett begehbar. Die Mauer am Sonnenweg freigeschnitten. Eine Menge Grünschnitt ist entstanden. Viel Arbeit an den Trockenmauern, die zum Teil eingestürzt sind, liegt vor uns.

ABER DER AUSBLICK! Herrlich! Den Sonnenaufgang von dort oben zu sehen! Selbst der Regen über der Stadt letzten Samstag war schön! Arbeiten mit so einer Aussicht ist doch gleich viel angenehmer!

Was uns allerdings am meisten freut und anspornt ist die Resonanz, die wir von verschiedenen Stellen erhalten. Angefangen beim Sohn unseres Verpächters, der mit Herzblut dabei ist und uns tatkräftig (auch beim Roden) unterstützt; über die Behörden, die Presse und die Stadt bis hin zu unseren fleissigen Helfern, die mit uns den Kampf gegen die Brombeeren aufnehmen.

Ja, wir sind ein bisschen verrückt! Und ja, ein bisschen verliebt in den Hang sind wir auch! Ohne diese beiden Eigenschaften wäre dieses Projekt nicht möglich, denn auch wenn die Rodung und das Anlegen des Weinberges abgeschlossen sind, bleibt ein großer Haufen (Hand-) Arbeit um die Anlage instand zu halten.

Hier im Blog werden wir zwischendurch immer mal wieder ein paar Neuigkeiten posten. Wer will kann sich auch gerne mal ein Bild vor Ort machen – am besten in Arbeitskleidung erscheinen! 😉 Wir sind jeden Samstag dort oben zu finden.

 

Siehe auch unseren Bericht vom Besuch bei Benders: https://pfalzweinproben.wordpress.com/2015/04/02/donnerstags-im-dorf-weingut-bender-geinsheim/

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