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Stefanie Weegmüller und Scheurebe: Eine echte Liebe

WeinFrauenWorte,

die neue Serie im Blog mit Beiträgen von Frauen, die den Wein lieben. Den Anfang macht Stefanie Weegmüller-Scherr, Vollblut-Winzerin vom gleichnamigen Weingut in Haardt. Ich habe sie gefragt, ob sie Lust hätte, irgendetwas zum Wein zu schreiben, Thema völlig frei. Die Antwort kam spontan und ohne zu zögern: Ja, über die Scheurebe!

Ein passendes Thema, wird sie doch hier in der Pfalz (und darüber hinaus) oftmals „Queen of Scheurebe“ genannt. Die von Georg Scheu in 1916 gezüchtete Rebsorte, die ehemals Sämling 88 hieß, und eine Kreuzung aus Riesling mit einer unbekannten Wildrebe ist, liegt ihr sehr am Herzen. Da sie aber selbst nicht schreiben mag, kam sie lieber rüber zu mir und so saßen wir hier bei einem Gläschen … Scheurebe – klar, was sonst? …

2015Scheurebe

2015 Scheurebe trocken, Weegmüller

Schön, dass die Scheurebe dieses Jahr von der Pfalzweinwerbung zur „Rebsorte des Jahres“ gekürt wurde. Gleichzeitig schade, dass sie erst 100 Jahre alt werden musste, um endlich wieder die Aufmerksamkeit zu bekommen, die ihr zusteht.“ Denn obwohl sie früher eine der beliebten Sorten war, ist die Anbaufläche in der Pfalz auf rund 350 Hektar zurückgegangen. An Stefanie Weegmüller liegt das jedoch nicht, in ihrem Betrieb gibt es die Scheurebe seit 50 Jahren und auch als sie nach dem Vater die Regie übernahm, fiel es ihr im Traum nicht ein, diese Sorte auszutauschen. Früher noch im halbtrockenen und süßen Bereich, wurden hier seit 84 auch trockene Scheureben ausgebaut.

Bei Weegmüllers ist sie mit einem Hektar Fläche die zweitstärkste Rebsorte nach dem Riesling, mit 6,5 ha. Danach kommt der Weissburgunder.

„Wie kannst du bloß?“ hat sich die Winzerin schon manches Mal anhören müssen, als die Sorte eher verschrien war, nachdem zu viele zu süße Weine das Image ruiniert hatten. Aber das hat sie nur umso mehr angespornt. Immer wieder stellt sie gerne eine Scheu als Pirat in Sauvignon Blanc Proben ein und hat damit schon manches Vorurteil abbauen können. Fast eine Art Mission ist es für sie gewesen, all die Jahre. Sicherlich auch einer der Gründe, warum Insider die Traube automatisch mit Steffi Weegmüller assoziieren. Für sie „ganz einfach eine wunderbare Rebsorte. Sie gehört zu uns, ist typisch für Deutschland, warum den internationalen Sauvignon Blanc hier anbauen, der im Vergleich so austauschbar ist“.

Tatsächlich haben beide Rebsorten teilweise ähnliche Aromenprofile, obwohl sie nicht verwandt sind. Es sind chemische Verbindungen, die zu recht intensiven Fruchtaromen führen. So sind z.B. schwarze Johannisbeeren und exotische Früchte in beiden Weinen zu finden.

„Zitrusaromen bringen Frische in die Sorte, sie ist vielseitig, in dem sie als rest- und edelsüßer Wein mit gelbaromatischer Note gut zu kombinieren ist und auch als trockene Variante einfach Spaß macht“. 

Wachsen tut die Weegmüller’sche Scheurebe zu 2/3 im Haardter Herrenletten, wo fetter Kalkmergel und ein relativ hoher Feinerdeanteil vorherrschen. 1/3 der Reben steht im von Buntsandstein geprägten Haardter Mandelring. Die unterschiedlichen Lagen führen zu komplexeren Weinen. Mit relativ großen Beeren und einer dünnen Haut, ist behutsam mit ihr umzugehen. Ganz wichtig ist die konsequente Laubarbeit in den letzten drei bis vier Wochen vor der Lese, um Fäulnis zu vermeiden.

Der Geschmack der Trauben selbst bestimmt den optimalen Lesezeitpunkt. Als generell säureärmere Sorte darf sie keinesfalls zu lange hängenbleiben. Vom Reifezeitpunkt liegt sie durchschnittlich gesehen in der Mitte der Lesezeit, Jahrgangsschwankungen gibt es natürlich.

Auf die Frage, ob es von Weegmüllers auch eine Scheurebe aus dem Holzfass geben wird, antwortet die Winzerin sehr spontan mit „nein, dafür habe ich keine Leidenschaft“. Und welche anderen Scheureben aus der Pfalz gefallen ihr? „Benny Rothmeiers Sekt, Weingut Pfeffingen, Weingut Acham-Magin.“

Wann und zu was passt die Scheurebe? „Kühl serviert ganz herrlich als Apero. Die restsüße Variante macht sich ganz außerordentlich gut zu asiatischen Gerichten. Zu Tarte. Zu Hühnchengerichten, die jedoch nicht zu würzig sein dürfen, eher milde Rezepte.

Dass Scheurebe von Weegmüller ganz ausgezeichnet schmeckt, zeigt auch diese Liste der letzten 10 Jahre:
* 2014 Scheurebe trocken, Sieger VINUM 3/15 Scheurebewettbewerb
* 2012 Märchenzauber Scheurebe Spätlese fruchtsüß, Silbermedaille AWC Vienna
* 2012 Scheurebe trocken, International Wine Guide Silbermedaille
* 2011 Scheurebe trocken, Savoir vivre Exzellent 2 Sonnen, Silbermedaille AWC Vienna
* 2011 Verführung der Sinne Scheurebe Auslese edelsüß, Goldmedaille AWC Vienna
* 2010 Scheurebe trocken, AWC Vienna Silbermedaille; Siegerwein Scheurebeverkostung Savoir Vivre
* 2009 Scheurebe trocken, Savoir Vivre Wettbewerb 90 Punkte; Beliner Wine Trophy Goldmedaille; Mundus Vini Weinpreis Goldmedaille
* 2008 Scheurebe trocken, Berliner Wine Trophy Goldmedaille; Silberner Kammerpreis DLG 2009
* 2007 Scheurebe trocken, Empfehlung Stern 14/2008 Gebrüder Lange
* 2005 Scheurebe trocken, Weintipp Natalie Lumpp Brigitte 09/06
* 2005 Scheurebe Auslese edelsüß, Goldener Preis DLG 2006

Cheers! Stefanie Weegmüller, herzlichen Dank für deine Zeit
und auf viele weitere schöne Scheureben!

*~*~*

Jetzt wollt ihr noch wissen, wie die 2015er Scheurebe trocken schmeckt? Dazu gibt es meine Weinempfehlung im nächsten Beitrag.

Lest auch gerne die bisherigen Artikel zum Weingut Weegmüller, besonders die spannende Verkostung mit gereiften Weinen, unter #weegmüller

 

 

 

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