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Stefan Graf von Neipperg zu Gast im Saalbau, Neustadt

Anlässlich der morgigen Véritable 16 ist Stefan Graf von Neipperg auf Einladung Uwe WarneckesInitiatior und Mit-Organisator der Fachmesse, in der Pfalz zu Besuch. Heute konnte man den Grafen bei einem Vortrag erleben, zu dem die Pfalzweinwerbung eingeladen hatte.

Die Familie der Grafen von Neippergs entstammt dem Adel des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation“, sie sind Besitzer sechs eigener Châteaux in Bordeaux mit weiteren Beteiligungen. Das Weingut in Deutschland wird vom ältesten Bruder geführt. Eine gute Übersicht der Bordelaiser Châteaux zeigt diese Karte:

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© neipperg.com 

Vor dem Vortrag fand ein „Meet and Greet“ statt, zu dem Anlass präsentierte Stefan Graf von Neipperg drei seiner vielfach ausgezeichneten Spitzenweine.

instagramweine

2012 Château d’Aiguilhe
Ertrag : 25 hl/ha
Weinbereitung : 30 Tage lang in Holztanks. Extraktion durch pneumatische Pigeage
Ausbau : 15 Monate lang in 50% neuen Fässern auf feiner Hefe. Keine Schönung
80% Merlot, 20% Cabernet Franc
Alkoholgehalt : 14,5%
Preis ca 20 €

2008 Château Canon La Gaffelière
Ertrag : 24 hl/ha
Weinbereitung : 30 Tage lang in Holztanks. Extraktion durch pneumatische Pigeage
Ausbau : 17 Monate lang in 90% neuen Fässern auf feiner Hefe. Keine Schönung und Filtration
55% Merlot, 35% Cabernet Franc, 10% Cabernet Sauvignon
Alkoholgehalt : 13%
Preis ca 65 €

2009 La Mondotte
Ertrag : 17 hl/ha
Weinbereitung : 35 Tage lang in Holztanks. Extraktion durch pneumatische Pigeage
Ausbau : 18 Monate lang in 100% neuen Fässern auf feiner Hefe. Keine Schönung und Filtration
80% Merlot, 20% Cabernet Franc
Alkoholgehalt : 14,5%
Preis (lt. Cellartracker durchschnittlich) 431 €

« La Mondotte, das ist Kraft und ein bemerkenswertes Lagerpotenzial. Ein sehr konzentrierter Wein, strukturiert, lang im Abgang, mit intensiven Farben und der Fähigkeit, lange und harmonisch zu reifen. Ein Wein, der stark von dem Boden, auf dem er wächst, gekennzeichnet ist. » Stefan von Neipperg

Der erste La Mondotte unter Leitung Neippergs war der Jahrgang 1996 und wurde von Robert Parker mit 96 Punkten ausgezeichnet.

Wunderbar dichte, dunkle und elegante Weine mit viel Ausdruck und Intensität, feiner Würze, guter Säure und spürbaren Tanninstrukturen, die einfach Freude bereiten. Note to self: drink more Bordeaux.

Der nachfolgende Vortrag steht ganz unter dem Zeichen „lebende Weine kommen von lebender Erde„. Böden, die von Kunstdüngern zerstört sind, von Herbiziden und Pestiziden gegeißelt, können als Grundlage nicht den Ansprüchen des Grafen an seine Weine genügen. Man arbeitet nach biodynamischen Richtlinien.

1985 kommt er als Deutscher nach Bordeaux, um die Leitung von Château Canon La Gaffelière, eines von vier Châteaux, die der Vater in den 70er Jahren als Investitionsanlage gekauft hatte, zu übernehmen. Der Erfolg, auf den Stefan von Neipperg heute schauen kann, ist das Ergebnis vieler Einzelschritte.

Besonderer Fokus liegt natürlich in den Weinbergen und hier geht es bereits bei den Klonen los. Wo es früher drei Merlot Klone gab, wachsen heute 120 Selektionen, das gibt Variabilität. Richtige Laubarbeit, heute inzwischen ein geläufiger Begriff, damals im Bordelais jedoch ein neuer Ansatz. Die Nähe zum Meer und damit hohe Feuchtigkeit stellen besondere Herausforderungen dar, denen man sich stellt und mit denen man lebt. Komplexe Weinberge mit komplexen Pflanzen bedürfen der intensiven Aufmerksamkeit. Konsequent setzte man in allen Bereichen des Anbaus und auch des Ausbaus an, mit systematischen Verbesserungen. Ganz wichtig ist auch die Erhaltung der Weinstöcke. Je älter die Rebe, desto langlebiger der daraus entstehende Wein, davon ist er felsenfest überzeugt. Den extrem niedrigen Ertrag durch zusätzliche Flächen ausgleichen.

Ferner gibt er Einblick in das Thema „als Immigrant Erfolg haben“ und weiß, echte Integration ist dazu unabdingbar. Das heißt die Sprache lernen, die Geschichte der Region und des Landes zu kennen und auch die Mentalität anzunehmen, sie zu akzeptieren.

Nur 3% der Weingüter gehören in Bordeaux zur Spitze und machen den Weltruhm der Region aus. Der Rest kämpft um Marktanteile und Positionierung – und nicht wenige ums blanke Überleben. Starre Klassifikationen machen es aufsteigenden Betrieben nicht leicht, am Markt Anerkennung zu finden. Auszeichnungen, wie z.B. von Robert Parker, haben von Neipperg diesbezüglich natürlich geholfen.

Eine Marke schaffen. Auf den Etiketten findet man mit dem Château Namen das Logo/Wappen der von Neippergs und den Jahrgang. Übersichtlich und stilrein. Leicht erkennbar und verständlich. Keine unnötigen, Verwirrung stiftende weitere Angaben.

Das gesellschaftliche Leben in Bordeaux ist geprägt vom einfachen, bäuerlichen Leben auf der einen Seite bis hin zum ‚Standesdünkel‘ der großen Häuser, die zum größten Teil von Bankenfamilien einst aufgekauft oder gegründet wurden. Durch alles zieht sich ein roter Faden: der Wein. Es hilft gerade bei gesellschaftlichen Anlässen gewissermaßen, weinaffine Züge mitzubringen und sich mit guten Weinen auszukennen. Als Biertrinker wird es schwieriger…

Bordeaux hat den Ruf arrogant zu sein. Eine Erklärung der Distanz liegt schon in der einfachen Tatsache, dass Châteaux ihre Weine nicht direkt an den Konsumenten verkaufen, sondern über Händler. Damit sind Berührungspunkte von vornherein extrem beschränkt.

Wir erfahren auch, dass die Qualität in Bordeaux insgesamt angestiegen ist, was dem internationalen Trend entspricht. Eine weitere Besonderheit, die der Graf hervorhebt, ist die Tatsache, dass in Bordeaux Weine für die Zukunft gemacht werden. Sie setzen lange Jahre der Reifezeit voraus, das Resultat des Handelns von heute zeigt sich damit erst in ferner Zukunft. Weitblick ist gefragt. Ein interessantes Detail in unserer schnelllebigen Zeit…

Die Châteaux der Grafen von Neippergs öffnen ihre Türe für Besucher und laden zu Führungen ein. Ich werde ganz bestimmt einen Besuch dort einplanen, eine Bordeaux-Reise steht ohnehin ganz oben auf meiner Liste der Weinreisen.

www.neipperg.com

 

 

 

 

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