weinempfehlungen

Riesling Kabinett. Eine spannende Blindprobe.

Gastbeitrag von Meinolf Sachse, Sommelier Urgestein Bar Neustadt

An einem lauen Sommerabend trafen sich insgesamt 13 Weinfreunde zu einem leichten Sommerwein-Thema: Kabinett-Rieslinge.

Kabinett bezeichnet in Deutschland einen Wein der gehobenen Güteklasse.
Die Weine dürfen nicht chaptalisiert (Zugabe von Zucker während oder nach der Gärung) werden. Kabinettweine sind Leichtweine, also Weine mit einem geringen Alkoholgehalt bis maximal 12% alc. und einem Mostgewicht von mindestens 73° Oechsle.

Es wurden insgesamt 22 Kabinette verkostet, blind jeweils in Dreier-Flights. Alle Weine wurden jeweils vorher dekantiert.
11x Pfalz
8x Mosel
2x Rheinhessen
1x Franken

Es ging mit den trockenen „Kabis“ los.

knewitz
Den Auftakt machte der 2015 Deidesheimer Paradiesgarten trocken von Dr. Deinhard / von Winning. Ein ganz klassischer Kabinett für Viele. Saftig, rund, fein und trinkig. Sehr guter Beginn.

Dann kam 2015 SL trocken von Schloss Lieser, Mosel. Ganz anders, aber sehr starker Auftritt. Extrem geradeaus, mit ordentlich Zug und dieser wunderbaren Moselmineralik.

Als Nächster war der 2015 „vom Kalkfels“ trocken vom Weingut Knewitz, Rheinhessen dran. Kontrovers diskutierter Tropfen, weil er doch sehr opulent und reif war. Aber auch mit toller Länge und gesunder Balance. Dieses Weingut zeigt beständig tolle Tropfen!

Der Franke unter den Kabis war dann ein 2014 „Escherndorfer“ vom Weingut Michael Fröhlich. Dicht und saftig zugleich wurde er von vielen direkt in die Pfalz geordnet.

Dann kam ein erstes Highlight. 2013 „der Elegante“ vom Weingut Weegmüller. Der Wein hatte es ordentlich in sich! Tolle Struktur, Saft, Trinkfluss und eine enorme Balance machten diesen Tropfen durchaus zum Gewinner der ersten trockenen Runde.

Fast auf gleichem Niveau war dann der 2013 „Kallstadter Saumagen“ von Köhler-Ruprecht. Dieser durchaus eigenwillige Stil des Hauses ist so prägnant, dass es Einigen gelungen ist, ihn heraus zu schmecken.

Es ging weiter mit Kabinett feinherb:
Die kurze Zusammenfassung bei diesen vier Weinen beläuft sich darauf, dass der 2014 „Mussbacher“ von Müller-Catoir klar die Nase vorne hatte. Glasklar, harmonisch und saftig in einem. Die weiteren Verteter waren:
2013 Ediger Elzhofberg vom Weingut Schauf, Mosel
2015 Jean Baptiste vom Weingut Gunderloch, Rheinhessen
2012 Ockfener Bockstein vom Weingut Kesselstatt, Mosel

Zum Hauptgang wurde es dann gereift und trocken.
2008 und direkt danach 2002 „Saumagen“ von Köhler-Ruprecht zeigten gleich, was reifer Riesling kann. Wobei 2008 deutlich besser war als 2002.

Als Nächste Tropfen 1997 Wachenheimer Gerümpel von Biffar und 1993 Gimmeldinger Schlössel von Weegmüller. 97 Gerümpel steht so unfassbar gut im Glas. Niemand dachte an einen fast 20 Jahre alten Kabinett. Taufrisch, helle Farbe, reifer Trinkfluss vom Feinsten. Dagegen 93 deutlich reifer, aber in einer Top-Verfassung. Das hat in dem Moment allen viel Spass gemacht. Allerdings sollte man diese Weine bewusst zum Essen genießen. Hierbei gab es eine Nudelpfanne mit Pfifferlingen und Pilzen, was zu der jeweiligen Erdigkeit der Weine sehr gut gepasst hat.

Zum Dessert und einfach so ging es dann an die fruchtsüßen Kabis.
Den Start machte der 2015 Haart Riesling von Julian Haart, Mosel. Saftig und mit diesem kleinen Stinker sehr fein. Es ging weiter mit dem 2015 Riesling von Bietighöfer. Ein sehr spaßiger Sommerwein. Rund und gefällig.
Dann kam für mich persönlich das Highlight der fruchtsüßen Vertreter:
2015 Wehlener Sonnenuhr, Schloss Lieser. In jeder Hinsicht für mich outstanding. So gut, so balanciert und animierend. Jetzt und in 10 oder vllt auch 20 Jahren…
Den Abschluss bildete dann der 2012 Pamino von Weegmüller. Dieser gefiel auch noch einmal vielen Verkostern.

In Summe lässt sich sicherlich sagen, dass es keinen einzigen Ausfall gab. Natürlich gefielen einige Tropfen mehr als andere. Aber das Niveau war stets hoch und aufgrund des moderaten Alkohols aller Weine waren alle Teilnehmer am Ende des Abends noch ziemlich frisch.

So wie die feinen Kabis 🙂

4 replies »

  1. Herzlichen Dank für einen schönen Abend mit spannenden Weinen, gutem Essen und bester Gesellschaft!
    Meine persönlichen Favoriten waren der 93er Gimmeldinger Schlössel von Weegmüller, der zum Essen einfach klasse war. Auch Müller-Catoir gefiel mir äußerst gut! Neustadt also die Nase vorne! 😃
    Danke auch für den Beitrag! Cheers!

    Gefällt mir

  2. Hallo zusammen,
    das klingt nach einem tollen Abend. Den 97 Gerümpel habe ich auch schon mal probieren dürfen und ich muss wirklich sagen, der wird hier wunderbar gewürdigt. Außerdem hoffe ich, dass Sie trotz der beachtichen Menge an verschiedenen Weinen jede Flasche ordnungsgemäß geleert haben. Wäre doch sonst zu schade…;-) Ich wünschen Ihnen viel Spaß bei der nächsten Verkostung.

    Bester Gruß
    Boris

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s