weinempfehlungen

Grosse Gewächse 2015 Pfalz. Teil 1

Von Meinolf Sachse, Sommelier Urgestein Weinbar

2015_GGimGlas

© pfalzweinproben.de

Sensationell! Jahrhundertjahrgang! Phänomenal! Das Weinjahr 2015 wurde bereits nach der Lese in den höchsten Tönen gelobt. Da kommen dem geneigten Weinliebhaber Erinnerungen an die Jahre 2003 oder 2005, in jüngerer Zeit auch 2009 in den Sinn, wenn man sofort mit diesen Superlativen konfrontiert wird. Ich bin, ehrlich gesagt, kein großer Freund dieser überbordenden Euphorie-Welle. Ich schätze allerdings auch die kühleren, etwas säurebetonteren Jahrgänge weitaus mehr, da sich die gut gemachten Weine in Symbiose aus Wingert und Keller in der Langlebigkeit unheimlich geradlinig und trinkig erweisen (siehe 2004 oder 2008).

Es ist aber eindeutig klarzustellen, dass 2015 ein wirklich starkes Weinjahr ist, in dem sich Frucht, Frische und eine gesunde Säure ein permantes Gaumenspiel geben. Das macht schon jetzt viel Spaß im Glas und Mund, wird sich aber über die Jahre bei einigen Tropfen sicher noch potenzieren.

Ich hatte die Möglichkeit, einige Große Gewächse aus der Pfalz am Montag, 29.08.16 zu verkosten. Insgesamt habe ich 31 Riesling GG, 5 Weißer Burgunder GG und 15 Spätburgunder GG verkostet.

Ich begann den Reigen mit einem Block von fünf Weinen aus dem pfälzer Norden:
Großkarlbacher Im großen Garten – Philipp Kuhn
Kallstadter Saumagen – Philipp Kuhn
Kallstadter Saumagen – Rings
Ungsteiner Weilberg – Pfeffingen
Ungsteiner Weilberg – Rings
Kuhn besticht mit seiner stets sehr charmanten Art. Im großen Garten zeigt sich bereits sehr zugänglich und saftig. Der Saumagen des Hauses ist eher der elegante, zarte Vertreter dieser Toplage.
Weilberg von Pfeffingen bietet ebenfalls eine tolle Harmonie und Trinkigkeit. Das macht richtig Spass!
Aber an den beiden GG´s von den Gebrüdern Rings führt kein Weg vorbei. So stark, so dicht, so viel Extrakt und trotz alledem eine unbeschreibliche Harmonie. Ganz GROSS dieses Jahr!

Es ging weiter mit einer der Superlagen der Pfalz: Forster Pechstein!
Die Weine wurden angestellt von:
Acham-Magin
Bassermann-Jordan
Reichsrat von Buhl
Georg Mosbacher
von Winning
Acham-Magin macht den Anfang. Ein ruhiger Vertreter, der sich aber mit der Zeit im Mund immer besser entwickelt. Das wird in ein paar Jahren richtig fein sein.
Bassermann zeigt einen für mich etwas fruchtigeren Pechstein als die anderen Kollegen. Auch dieser Wein wird Zeit brauchen, um sich voll zu entfalten.
Buhl macht da weiter, wo sie 2014 aufgehört haben. Mit Vollgas und einer unheimlich präzisen Stilistik mit gut eingebundenem Holz, betörendem Schmelz und diesem „Salz“, was die Lage so begehrt macht.
Mosbachers Pechstein irretiert mich momentan noch etwas. Er zeigt für mich deutlich dominante Noten vom Holzeinsatz auf, die ihm jedoch eine für mich störende Süße mitgeben. Ich bin gespannt, wie sich der Wein über die Jahre entwickeln wird.
Den Abschluss bildete noch von Winning. Ich gebe zu, dass ich bekennder Winning-Fan bin! Und was da im Glas ist, das ist wirklich groß! Natürlich ist eine deutliche Holznote mit im Spiel. Aber da ist noch so viel mehr. Der Wein packt mich total. Er vibriert förmlich vor Spannung, Saft, Dichte und Extrakt. Da kann sich jeder glücklich schätzen, der davon etwas in den Keller bekommt.

Beim Forster Jesuitengarten bewegen sich von Buhl und Bassermann-Jordan auf Augenhöhe. Hier spielt der persönliche Geschmack wohl eine Rolle, was lieber getrunken wird – klar und elegant (Bassermann), oder der noch etwas verhaltene, aber markante Typ (von Buhl).

Beim Forster Ungeheuer ging es dann gleich sportlich weiter!
Auch hier waren wieder fünf Vertreter aus Deidesheim und Forst vertreten.
Acham-Magin zeigt eine wunderbare Dichte mit tollem Zug. Abwarten.
Mosbacher ist wieder schwierig. Auch hier kommt Holz (gefühlt) zum Einsatz, welches ich als störend empfinde. Da fehlt noch die Balance.
Bassermann bleibt seiner ruhigen, eleganten, sehr ansprechenden Charakteristik ebenso treu wie von Buhl mit seinem druckvollen, kräutrig, würzigen Ungeheuer. Das schmeckt!
Von Winning setzt für mich persönlich auf die Beiden nochmals einen drauf, weil beide Stile miteinander vereint werden und das gekonnte Holz sich wundervoll einbettet.

Im nächsten Block zeigte das Weingut Christmann, was es kann!
Reiterpfad-Hofstück, Idig und Meerspinne – Im Mandelgarten zeigten sich alle von ihrer besten Seite.
Reiterpfad zeigt mit einem ansprechend angenehmen Säuregerüst seine gediegene Stilistik.
Im Mandelgarten ist so ein Vertreter, den man(n) am besten mit seiner Frau oder Angebeteten trinken sollte… Sehr elegant, animierend, charmant und sexy.
Idig ist natürlich eine Klasse für sich. Da passiert einfach so unglaublich viel im Mund. Frucht, Frische, Saft, Extrakt. Das Einzige, was mich daran vielleicht noch stört, ist der (gefühlt) etwas hohe Alkohol. Aber das legt sich mit den Jahren.
Der letzte Vertreter von der Haardt war dann Müller-Catoir mit dem Haardter Bürgergarten „Im Breumel“. Eine meiner ersteren tiefer gehenden Riesling-Erfahrungen hatte mich mit Müller-Catoir und dem Bürgergarten. Insofern bin ich da möglicherweise ein wenig voreingenommen. Mich spricht der Wein sehr an. Ein sehr klarer Vertreter, ausgezeichnet balanciert, ohne viel „Tam-Tam“ zu machen. Das macht jetzt schon Freude und später ebenfalls.

Darauf folgte die Südpfalz.
Mir gefielen besonders gut die Weine vom Weingut Theo Minges mit Burrweiler Schäwer und Gleisweiler Hölle – Unterer Frauenberg, und von Ökonomierat Rebholz mit Siebeldinger Im Sonnenschein und Im Sonnenschein „Ganz Horn“.
Minges zeigt bei beiden Vertretern eine gelungene Balance von Säure und reifer Frucht. Beide zeigen einen tollen Schmelz und haben einen langen saftigen Zug!
Beide „Sonnenscheine“ sind große Weine. Die Frucht ist unheimlich präzise, alles hat eine extrem hohe Spannung und gleichzeitige Balance. Aber der „Ganz Horn“ packt da insgesamt einfach nochmal eine Schippe drauf. Top Stoff!

Dann ging es mit den Burgunder GG´s Weiss weiter.
Ich verkostete:
Laumersheimer Kirschgarten – Knipser
Laumersheimer Kirschgarten – Kuhn
Deidesheimer Langenmorgen – Bassermann-Jordan
Kirrweiler Mandelberg – Bergdolt
Böchinger Rosenkranz „Im untern Kreuz“ – Minges

Wenn mit Knipser der Auftakt erfolgt, haben es viele Tropfen danach schwer. Der Wein ist sofort präsent am Gaumen, hat eine großartige Länge, das Holz ist super integriert und ist auf einem stoffigen Niveau extrem trinkig.
Kuhn ist dagegen viel zurückhaltender, der mit der Zeit sicherlich zulegen wird.
Der Langenmorgen von Bassermann ist für mich ein so klassisch sehr guter Vertreter dieser Rebsorte auf so hohem Niveau, dass ich den Tropfen einfach den Hals hinunter gleiten lassen wollte.
Der Mandelberg zeigt sich momentan sehr fruchtbetont, fein und elegant. Sehr weiblich. Da merkt man eine klare Handschrift! Der wird sich super entwickeln.
Beim Rosenkranz ist das fast ähnlich, wobei hier jedoch die Säure etwas dominanter ist und das Gesamtpaket dadurch etwas verhaltener wirkt. Trotzdem natürlich auch ein Wein für die Zukunft.

Kommen wir noch zu den Highlights bei den Pinot Noirs.
2011 Siebeldinger „Im Sonnenschein“ von Rebholz ist gleich mal ne Ansage. In dieser Phase zeigt er sich so wunderbar harmonisch und perfekt trinkbar.
Es folgte drei Mal Knipser aus 2012:
Mandelpfad zeigt sich sehr stark. Viel Zug, präsente Säure und eine extrem dichte Frucht werden zu einem großen Wein werden.
Kirschgarten ist jetzt schon richtig fein und saftig. Sehr animierend.
Der Burgweg „Im großen Garten“ braucht da noch deutlich länger. Er lässt ordentlich die Muskeln spielen, aber die Balance von Frucht, Frische und Säure wird erst in den nächsten Jahren zueinander finden.
Ähnlich verhält es sich da mit dem 2013 Kirschgarten von Kuhn. Das dauert noch.
Dagegen ist der 2013 Steinbuckel von Kuhn momentan so fein und dicht, mit dieser eleganten Rotfleischigkeit, dass er jetzt einfach schon unheimlich viel Freude bereitet.
Der Highlight-Block kam dann quasi zum Ende.

Friedrich Becker mit seinen 2013 Kammerberg, Sankt Paul und Heydenreich. Diese Weine stehen zu Recht an der deutschen Pinot-Spitze! Wobei Sant Paul und Heydenreich noch einen draufpacken. So komplex, so rund, so eine Balance, dass man sprachlos werden kann. Hier muss man dann aber auch einfach ganz klar auf den Preis schauen… Aber trotzdem, geile Weine!

Abschließend lässt sich über 2015 sagen, dass es ein absolut toller Jahrgang ist, mit wirklich großartigen Weinen. Zum Teil sind viele jetzt gerade auf einem wunderbaren Niveau, jedoch sollte man ihnen allen die Zeit geben, sich entwickeln zu können um noch größer zu werden.

In diesem Sinne wünsche ich allen immer ein gutes Glas Wein in der Hand.

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