weingeschichten

Liebfraumilch! Ja? Nein? Oder doch?

Ich bin ehrlich: Vibrations? Yes! Good vibrations? Hm……… Durch das Leben im Ausland sind meine „Erlebnisse“ (z.B. im Supermarkt in USA beim Passieren des LFM-Regals stets mit dem Kopf schnell nach unten und jeglichen Blickkontakt nach links oder rechts vermeidend), sagen wir, prägend gewesen. Relativ oft bin ich – als Deutsche – auf diesen Wein angesprochen worden, „der einzige, den man bisher aus Deutschland probiert habe…“ End of story.

Immerhin! Erkennungswert. Und ja, die Rede ist hier von ganz normalen Weintrinkern, keine Nerds, Sommeliers, Winzer oder Einkäufer, keine Branchen-Insider.

Deshalb gehöre ich zu den Verfechtern einer generellen Marke für genau diese Zielgruppe. Ein ‚don’t make me think‘- Name für einen Wein, der ohne Schuldgefühl und Scham („ja, ich weiss ja leider viel zu wenig über deutschen Wein“) aus dem Regal genommen, in den Einkaufswagen gelegt und daheim mit Freunden getrunken werden kann. Ein Wein, der gut schmeckt, gerne etwas Restsüße haben kann und ruhig auch Alkohol – denn das alles scheint beim ‚ganz normalen‘ (Hilfe, wie klingt das – wer sind die Normalen und wer nicht?) Konsumenten immer wieder am besten anzukommen. Knochentrocken und viel Mineralik etc. das ist für die anderen… (Demnach die Nicht-Normalen?)

Warum also nicht Liebfraumilch mit ihrem Erkennungswert als MARKE verwenden? Mit einem lieblichen Wein, so wie er eben als LFM offiziell deklariert ist, beginnen. Lieblich ja, aber nicht pappig süß und eben auch frisch, nicht plump. Ehrlich gesagt, wusste ich selbst gar nicht genau, was GENAU die LFM ausmacht – nennt es Verdrängung. Hier also die Definition per Wikipedia:

„Liebfraumilch: Heute gilt Liebfrauenmilch eher als eine Marke für lieblichen Weißwein. Für Liebfrauenmilch dürfen nur bestimmte Rebsorten verwendet werden, die aber nicht auf dem Etikett genannt sind. Zu mindestens 70 % muss der Wein aus den Rebsorten Riesling, Müller-Thurgau, Bacchus, Silvaner und/oder Kerner bestehen. Die Restsüße darf nicht unter 18 g/l liegen. Liebfraumilch kann aus Rheinhessen, Rheingau, Pfalz oder von der Nahe kommen.“

Nach dieser Regel wäre es nicht möglich, nach einem erfolgreichen Relaunch dann weitere Weine nachzulegen – alle unter der Dachmarke Liebfraumilch. Aber ich würde darauf vertrauen wollen, dass sich auch da Wege finden ließen. Um einen Riesling, einen Burgunder, etc. auch unter dem Begriff anbieten zu können. So etwa nach dem Prinzip von Yellow Tail. Wobei die Australier natürlich clever waren, indem sie einen Wein produziert haben, den Sie einem vorher bestimmten Exportmarkt angepasst hatten. Sie haben nicht versucht, den Markt zu erziehen, sondern sie haben ihr Produkt dem Markt angepasst. Und das hat offensichtlich funktioniert – da mag man selbst zur Marke Yellow Tail stehen, wie man will. Auch haben sie mit ihrem Slogan meiner Meinung nach genau ins Mark getroffen:

„This is the story of an Australian wine brand called [yellow tail]. It’s the story of a wine brand inspired by fun and a belief in making wine uncomplicated in a world of complexity. Welcome to our world.“

Und…

„THREE LITTLE LETTERS… F….U….N….. We’re no wine snobs. We’re just wine lovers. And fun lovers. Because let’s face it, life is so much better when you’re having fun. That’s why at [yellow tail] we put the FUN back into wine.“

Jungfraumilch 2.0 mit lustiger, frecher Aufmachung und einer Dosis Selbstironie in Bezug auf die alte LFM, das muss doch mit den richtigen Werbeexperten zu machen sein? Den Erkennungswert des Namens nutzen und die Welt gleichzeitig überraschen mit einem ganz anderen – viel besseren – Wein. Eine Produktplatzierung bei einem Lady Gaga oder Beyoncé Auftritt – was weiß ich. Groß einsteigen. Hier kommt Liebfraumilch. Please meet the Lady. Made in Germany. And this time she has come to stay.

Liebfraumilch Wine Society

Jedenfalls finde ich es interessant, dass sich nun um Dirk Würtz, dem wohl bekanntesten Wein-socialmedia-Profil Deutschlands, und Winzer Christoph Hammel aus Kirchheim in der Pfalz eine LFM Society gebildet hat, die eine Neuauflage des Weines puschen will. Siehe den Facebook-Link weiter unten.

Stefan Echter, Weinfreund, Weinjournalist und Weinbruder, der unheimlich aktiv in Sachen Wein unterwegs ist und auch in seinem Blog nun über die neue Entwicklung der Liebfraumilch berichtet, hat gestern zur ersten Blindverkostung mit 6 verschiedenen Weinen aus 2016 eingeladen. Spannend. Leider konnte ich selbst nicht dabei sein, ich hätte gerne darüber berichtet – aber hier kommt der Link zu seinem Artikel, den er fortlaufend ergänzt. Also am besten bookmarken und weiter verfolgen, was sich so tut in der LFM Bewegung.

LFM_SE

© Stefan Echter, http://www.stefan-echter.de

Stefan Echter: Die Neuauflage! Serie zur Liebfraumilch:

„Verdeckte Probe aller Liebfraumilch/Liebfrauenmilch am Mittwoch,den 17. Mai 2017
Die Probe wurde mit Önologen,Presse und Weingeniessern (Konsumenten) durchgeführt.
Vorab gab es den Liebfraumilchsecco der SM Sektmanufaktur.

Dieser Secco mit 100% Müller-Thurgau Rebe ist ausgesprochen fruchtig, spritzig und mit einer restsüsse von 19.5 Gramm ein toller Einstiegssecco.
Hier war allgemeines Lob zu hören und für diesen Secco ist mit Sicherheit bei uns ein großer Absatzmarkt zu finden. Sicherlich bei 6,50 Euro Endverbraucherpreis wird er viel Konkurrenz auf dem Markt haben. Hier dürfte der Namen sich positiv auswirken.“

Lest hier in Stefans Blog weiter über die Probe…..

Liebfraumilch Wine Society in Facebook…

Und hier eine Zusammenfassung aus Meiningers Weinwirtschaft….

Und aus der Perspektive eines Nicht-Deutschen Weinjournalisten…. „Keep the Liebfraumilch where it belongs“

 

6 replies »

  1. Ich finde die Idee gut und hilft bestimmt dem Weinland und der Begriff Liebfrauenmilch.

    Ich trinke ja auch mittlererweile gerne wieder Lambrusco oder Tereldego Rotaliano, insbesondere von der hübschen Winzerin Foradori. Richtig gemacht sind das richtig gute Weine.

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  2. Und die 7. Lady der neuen Linie ist auf dem Markt. „Der Mann mit Hut“ Lukas Krauss aus Lambsheim/Pfalz hat sie ab sofort im Verkauf. Bericht folgt nach Verkostung unter: http://www.stefan-echter.de . Weiterhin hat Christoph Hammel eine „Edelversion“ Black Lady auf den Markt gebracht. Mit 12,50 für 0,75 Ltr.Fl. spricht er da schon einen gehobeneren Kundenkreis an. Viel Erfolg weiterhin beiden Erzeugern.

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  3. Ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen Liebfraumilch und Yellow Tail ist in dem Bericht leider nicht berücksichtigt worden. Liebfraumilch ist eine generische Marke, die von vielen Produzenten genutzt werden darf. Yellow Tail ist die Marke eines Unternehmens, das die vollständige Kontrolle über die Markenführung, Qualität, Preis, Design, Vermarktung usw. hat. Bei Liebfraumilch ist eine solche Markenführung nicht möglich, da verschiedene Unternehmen Wein mit dieser Bezeichnung produzieren und verkaufen dürfen, zu unterschiedlichen Preisen, in unterschiedlicher Qualität, Verpackung usw. Ich glaube nicht, dass mit einem Relaunch der Liebfraumilch oder anderer generischer Marken ein wirklich guter und positiv besetzter deutscher Markenwein für den Export geschaffen werden kann. Die Marke Liebfraumilch ist z.B. in Großbritannien, ebenso wie Piesporter Michelsberg (der bis in die frühen 1990er Jahre fast in jedem Pub im Offenausschank war) oder Hock, für viele Verbraucher der Inbegriff billiger, süßlicher, altmodischer, schlichter Weine aus Deutschland. Die klassischen Konsumenten dieser Weine sterben aus, die Markenwein-Konkurrenz aus Australien, Südafrika, Chile usw. ist groß. Die Marketinganstrengungen müssten enorm sein, bei dennoch zweifelhaftem Erfolg. Wer neue, jüngere Konsumenten im UK oder in den USA für deutsche Weine zu einem vernünftigen Preisniveau begeistern möchte, sollte eher über den Aufbau moderner Marken für deutsche Weine nachdenken. Das wäre langfristig erfolgversprechender.

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    • Ja, wahrscheinlich ist es tatsächlich besser mit einem neuen Namen. Ich fand Steffens Christmanns „Rheinwein“ z.B. gut. Eine geschützte Marke muss her, aber mit einem Wein von Qualität, die festgelegt unbedingt werden sollte. Yellow Tail war einfach nur als Vergleich in Bezug auf die Vermarktung gedacht. Es ist korrekt, dass das nicht eins zu eins verglichen werden kann.

      Vielen Dank für den Kommentar! 👍🏻

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