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Ein Most, drei Weine: Orange by Benzinger

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Orange Wine by Benzinger © pfalzweinproben.de

Orange Wine steht als Begriff für Weissweine, die mit der Schale vergoren werden – wie ein Rotwein also – und dadurch deutlich spürbare Gerbstoffe (Tannine) sowie mehr Farbe (muss nicht immer zwingend Orange sein) bekommen. Sie geben beim Trinken ein Mundgefühl, das an Rotwein erinnert. Manchmal sind die Gerbstoffe so prägnant, dass man den Wein ‚fast kauen‘ kann…

In Schweden kenne ich einige Weinfreunde (besser: Weinnerds, denn, wie in diesem Post hier schon beschrieben, ist der Trend auch dort noch nicht bei den Massen angekommen), die mittlerweile fast überwiegend Orange trinken. Ich selbst bin bei weitem kein Kenner dieser Weine, habe jedoch inzwischen schon eine gute Anzahl verkostet. Und ja, einige davon hätte ich, im Nachhinein gesehen, lieber nicht getrunken. Ich liebe Essig! Als Essig und nicht als Wein. Und bei manchen war mir diese Grenze zu fließend…

Aber das hier ist komplett anders!

2016 Orange de Pic… Premier, Second und Troisieme

Inge und Volker Benzinger vom Bio-Weingut Benzinger in Kirchheim haben uns kürzlich zu einer wunderbaren Probe eingeladen, bei der ich dieses Trio entdeckt habe. Ein interessantes Projekt, bei dem aus einem Traubenmost am Ende drei verschiedene Weine wurden.

Sylvanertrauben mit 88° Oechsle wurden im Oktober 2016 von Hand gelesen, entrappt und vier Wochen lang spontan – also ohne Zusatz von Zuchthefen – und auch ohne Beigabe von Enzymen unter täglichem Unterstoßen vergoren. Die Maische blieb bis Ende April 2017 stehen.

Als es dann soweit war, den Wein von der Maische zu nehmen, erfolgte das in drei Schritten, was letztendlich die unterschiedlichen Stile prägte:

2016 Orange de Pic… Premier 16,50 €: Das war der erste Wein, der mit einer Art „Spritze“ von der Maische abgezogen wurde und zur Reifung ins Barriquefass kam. Mit 884 Flaschen ist das der größte Anteil der Serie. Gleichzeitig könnte man ihn auch als den Einstiegswein – Orange for beginners – bezeichnen. Aromen von warmen Äpfeln und Blüten, schön würzig, ein Wein, der Spaß macht. Ich habe ihn am Abend danach Freunden zuhause serviert und war ehrlich ein wenig überrascht, wie positiv er angenommen wurde – weil er für die meisten der erste Orange Wine war.

2016 Orange de Pic… Second 16,50 €: Die Maische lief nun über ein Förderband in die Presse. Der Saft, der dabei frei – ohne Pressung – aus der Presse herauslief, ist in diesem „Second“. Wie das Bild oben zeigt, deutlich trüber im Glas, jedoch mit derselben Frische am Gaumen und betonter Struktur, die Gerbstoffe haben etwas angezogen, er wirkt fordernder. 520 Flaschen gibt es davon.

2016 Orange de Pic… Troisieme 18,50 €: Als dritter und letzter Schritt wurde die Maische nun gepresst und dieser finale Wein wurde zum „Troisieme“. Nur 294 Flaschen gibt es davon. Laut Inge Benzinger gibt es unter Fachleuten immer wieder die Diskussion darüber, dass ein Orange Wine nicht gepresst werden soll. Sie haben es dennoch getan, wollten es genau wissen. Tannin! ist das Wort für diesen Wein. Sehr gerbstoffbetont, eindeutig ein Wein für „Orange -Fortgeschrittene“, die dürfen sich schon freuen! Zum Solo-Trinken für mich schwierig. Wiederum als Begleiter zu einem guten Rumpsteak kann ich ihn mir vorstellen, das werde ich demnächst auch selbst einmal probieren! Es wird interessant sein zu beobachten, wie sich dieser Wein in der Zukunft trinken lässt.

Alle Weine blieben dann bis zur Füllung im August in den Holzfässern und wurden wöchentlich einmal gerührt. Sie sind komplett trocken vergoren, haben keinen zugesetzten Schwefel, wurden weder filtriert noch geschönt. Der Alkoholgehalt liegt bei 11,5 % vol. Die niedrige Säure von rund 5 g macht sie auch für empfindliche Mägen gut verträglich.

Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei Familie Benzinger für die spannende Probe, einen schönen Abend und auch für ein wunderbares Essen im Anschluss im gutseigenen Restaurant „Das Benzinger“, das vom Team der Neustadter Zwockelsbrück geleitet wird.

Was sind eure Erfahrungen mit Orange Wine? Ich würde mich über ein paar Kommentare dazu sehr freuen!

www.weingut-benzinger.de

8 replies »

  1. Leider habe ich diese 3er-Kombo noch nicht probiert. Allerdings habe ich die Benzingers Anfang des Jahres auf einer Naturweinmesse kennengelernt und ich erinnere mich, dass ich niht nur davon begeistert war, dass sie nach ewigen Jahren ihr komplettes Konzept noch einmal umgestellt haben, sondern dass ich auch ihren Orange überraschenderweise extrem angenehm zu trinken fand. Das hat mich damals schon sehr überzeugt! Liebe Grüße aus Köln, Iris

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  2. Benzinger hat sich mit den Orange Weinen sicherlich mittlerweile einen Namen geschaffen.Dies dürfte aber eine sehr kleine Marktschiene bleiben.Als normaler Weinkonsument kann ich mich dafür jedoch nicht begeistern.Für mich ist dies nicht ein besonderer Trinkgenuss.

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  3. Schön geschrieben, Heike. Also bei Orange gibt es wirklich große Unterschiede. Wir hatten schon Orange-Weine, die echt grenzwertig waren und bei denen man das Gefühl nicht los wurde, dass der Wein fehlerhaft war. Die Weine der Benzingers dagegen sind sehr gut und ein echtes Geschmackserlebnis. Sicher Weine für die Nische, aber es lohnt sich!

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  4. Keita hatte mich auf das Naturweinpaket von Benzinger aufmerksam gemacht. Habe mir gerade den Premier aufgemacht und bin auf Vivino darauf gestoßen, dass Du die in Deinem Blog behandelt hast.

    Schöner Beitrag, Heike. Als Naturweinneuling interessante Erfahrung, aber gar nicht so „schräg“ wie ich erwartet hatte. Allein der Silvaner ist nicht mehr so recht erkennbar.

    Liebe Grüße aus Berlin,
    Jan

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    • Hi Jan und danke! Für mich ist das auch eher Neuland, Keita ist uns da um Längen voraus. 🙂 Ich habe Vivino leider aus zeitlichen Gründen vernachlässigt, muss mich mal wieder dran machen, die Community ist einfach gut. Bis hoffentlich bald! Cheers, Heike

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